SOZIALES

Wozu es Kirche in unserer Gesellschaft braucht – auch weiterhin

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Die katholische Kirche verliert in Deutschland an Bedeutung. Und dennoch bleibt sie wichtig, ist sich Journalist Christoph Strack sicher.

Braucht es Kirche noch? Die Frage kann sich schon mal stellen, wenn man manche Sitzungskirchlichkeit miterlebt. Die Häufigkeit, mit der Gotteshäuser abgewickelt werden, könnte den Zweifel verstärken.

Und dann blitzen doch immer wieder Beispiele dafür auf, wie sehr Kirche gefragt ist. Vielleicht hat man nur das Staunen darüber verlernt. Wann?

Vor ein paar Tagen legte die evangelische Militärseelsorge eine Studie vor, die den Blick von Soldatinnen und Soldaten auf die Seelsorge erkunden sollte. Die Untersuchung zeigte Werte, bei denen viele Wirtschaftsunternehmen wohl neidisch werden. Die allermeisten in der Truppe, ob sie getauft waren oder auch nicht, sehen Militärseelsorge positiv. Im Grundbetrieb, also beim Alltag in den Kasernen, äußerten sich 91 Prozent entsprechend, im Einsatz betrug der Anteil sogar 95 Prozent – 19 von 20.

Von Soldaten und Schülern

Der Autor
Christoph Strack (64) ist Journalist. Vor seiner journalistischen Ausbildung studierte er einst in Bonn und Jerusalem katholische Theologie. Bei der Deutschen Welle ist er Experte für Religion und Religionspolitik.

Im Sommer war ich mit dem evangelischen Militärbischof bei deutschen Soldaten auf einem NATO-Stützpunkt in Polen. Binnen Minuten kippte da ein Gespräch in der Gruppe, das schwerfällig anlief, ins sehr Ernsthafte. Klar, dass da der ein oder andere seinen Beitrag einleitete mit einem „Ich bin ja nicht in der Kirche, aber…“ oder „Ich bin eigentlich nicht gläubig…“. Wichtig war: Das Gespräch lief auf Augenhöhe.

Ende Januar berichtete der katholische „Schulbischof“, Heinrich Timmerevers von Dresden-Meißen, auf „katholisch.de“ von der Arbeit der gut 850 katholischen Schulen in Deutschland. Manchmal sei die Nachfrage größer als das Angebot. Für ihn zählten diese Schulen zu den wichtigsten Orten kirchlichen Wirkens. Timmerevers betonte die Bedeutung des „Miteinanders“. Er wisse nicht, ob Kirche sonst wo in der Gesellschaft als „konstruktive, frohe, lernbereite Gemeinschaft“ gesehen werde. Lernbereit.

Kirche und der Berliner Stromausfall

Militärseelsorge, kirchliche Schulen. Das sind doch Profis, mag man einwenden. Vor einigen Tagen saß ich mit einem Freundeskreis in einer Pfarrei im Berliner Südwesten zusammen. Klar, es ging um die schlechte Stimmung, auch die Aufgabe von Kirchengebäuden.

Plötzlich erwähnte einer, dass beim bundesweit spektakulären Stromausfall einige Tage zuvor die Nachbargemeinde unweit der dunklen Stadtteile nach einigem Grübeln – braucht das denn wer, wer passt auf? – ihren Pfarrsaal geöffnet habe. Irgendjemand passte auf, die Malteser halfen mit heißem Tee oder Suppe. Und Menschen kamen. Wärme, Strom – und Gemeinschaft. Im besten Fall ist Kirche dafür doch Experte. Im besten Fall auf Augenhöhe und lernbereit.

In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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