MEINUNG

Ihr müsst fragen, was wir brauchen: Wie Kirche auf Jugendliche zugehen muss

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Hohe Austrittszahlen, weniger Gottesdienstbesucher. Wie soll Kirche Jugendliche erreichen? Benedikt Pfann hat eine Idee.

Ich engagiere mich in unserer Stadt im Jugendrat und in unserer Kirchengemeinde im Jugendausschuss. In beiden Gremien stellen wir die Frage, was unsere Jugend braucht. Aber die Herangehensweise ist eine andere.

Im Jugendrat der Stadt heißt es: „Was muss sich in der Stadt verändern, damit sie den Bedürfnissen junger Menschen gerecht wird?“ In unseren kirchlichen Runden lautet die Antwort häufig: „Wir haben doch schon so viele Angebote für die Jugend.“ Das ist keine Wertung, nur ein Unterschied, den ich selbst erlebe.

Wie es nach der Firmung weitergeht

Menschen gehen heute nicht mehr selbstverständlich in die Kirche. Viele sehen das als Verlust. Ich denke, vielleicht ist das auch eine Chance zur Veränderung, ganz besonders mit Blick auf die Jugend.

Ich bin vor drei Jahren gefirmt worden und erinnere mich noch gut daran, dass viele meiner Freunde danach nicht mehr in die Kirche gegangen sind. Da gab es für sie keinen passenden Ort, um über den Glauben zu reden.

Kirche muss mit Jugendlichen ins Gespräch kommen

Der Autor
Benedikt Pfann ist Schüler in Wendlingen bei Stuttgart und teilt als @pfannkuchenbenni christlichen Content auf Instagram.

Aber ihr Interesse an Jesus und der christlichen Botschaft ist trotzdem da. Und das zeigt sich auf Social Media: Da gibt es immer mehr christlichen Content. Da ist viel guter Content dabei, da finden sich aber auch teils extreme, fundamentalistische Glaubensansätze. Das Problem: Im Netz gibt es kaum Orte, an denen dieser Content eingeordnet wird. Und dann wird es schwierig.

Und genau hier kann für mich wieder Kirche vor Ort ins Spiel kommen. Sie muss Räume schaffen, in denen das, was jungen Menschen online begegnet, gemeinsam eingeordnet werden kann. Das kann ein digitaler Raum sein, muss es aber nicht.

Was junge Christen wollen

Warum also nicht zum Beispiel gezielt Bible-Study-Kurse anbieten? Vor Ort. Mit Menschen, die theologisch Ahnung haben. Mit Raum für Fragen, mit Widerspruch, mit Diskussion. Nicht als Frontalunterricht, sondern als Gespräch. Wo man fragen kann:

Wie gehe ich damit um, was in der Bibel steht?
Was ist christlich – und was ist einfach nur Meinung?
Und was bedeutet „Sünde“ heute überhaupt noch?

Für junge Menschen muss Glaube alltagsnah sein. Nicht im Sinne von cooler, sondern im Sinne von erreichbar. In Gruppen, im Gespräch, in Formaten, die unsere Fragen und Bedürfnisse ernst nehmen.

„Niemand soll dich wegen deiner Jugend geringschätzen!“, ermutigt der 1. Timotheusbrief (4,12) seinen Empfänger Timotheus. Und in der 1.500 Jahre alten Benediktsregel rät der heilige Benedikt, bei wichtigen Dingen alle Brüder anzuhören, „weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist“ (RB 3,3). Darum kommen in unserer Rubrik „Der junge Kommentar“ ausdrücklich Autor:innen unter 30 Jahren mit ihrer persönlichen Meinung zu einem selbst gewählten Thema zu Wort. Sie sind ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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