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Es braucht Mut in der Kirche, um positiv in die Zukunft zu sehen. Es kann gelingen, gibt sich Journalistin Claudia Möllers optimistisch.
Ostern steht für Neuanfang. Für einen zuversichtlichen Blick in die Zukunft. Endlich wieder längere Tage, mehr Sonne, mehr Wärme. Und zwar für alle: ob sie nun religiös sind oder nicht. Schon der Blick auf Knospen und Blüten weckt die Lebensgeister.
Ostern kann aber auch heißen, mit alten Gewissheiten abzuschließen. Neues zu wagen. Die christlichen Kirchen in Deutschland stehen vor großen Aufgaben. Die evangelischen wie auch die katholischen Institutionen müssen sich schon seit einigen Jahren auf Zeiten knapperer Kassen vorbereiten. Welche Gebäude kann man sich in Zukunft noch leisten, wenn es immer weniger zahlende Kirchenmitglieder und auch weniger Geistliche gibt? Worauf muss man notgedrungen verzichten, woran unbedingt festhalten? Solche Prozesse laufen derzeit in vielen evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümern.
Nicht von oben verordnen
Die Autorin
Claudia Möllers stammt aus Münster und wuchs im Münsterland auf. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie in den Achtzigerjahren bei „Kirche+Leben“. Im Anschluss arbeitete sie in der Bischöflichen Pressestelle Münster. Seit 35 Jahren gehört sie zur Redaktion des „Münchner Merkur“, wo sie Autorin in der Politik-Redaktion ist und auch Kirchenthemen bearbeitet.
Nicht alle lieb gewordenen Immobilien und Dienste wird man behalten können. Jede Gruppe kämpft verständlicherweise für ihre Räume, für ihre Mittel und ihre bezahlten Hauptamtlichen. Vor allem aber, wenn sich Gemeinden von Gotteshäusern verabschieden müssen, werden echte Trauerprozesse ausgelöst.
Konflikte sind unvermeidbar. Gotteshäuser sind Orte, die mit Erinnerungen geflutet sind: Dort wurde geheiratet, getauft, von geliebten Verstorbenen Abschied genommen. Wenn es unabwendbar ist, dass Kirchen profaniert werden müssen, sollte zuvor zumindest offen miteinander diskutiert werden. Es sollten möglichst gemeinsam vertretbare Lösungen für Gebäude gefunden werden, von denen man sich trennen muss. Verordnen von oben kann man so etwas nicht.
Es geht nur mit Toleranz
Es gibt kreative Projekte, bei denen in Kirchen Versammlungs- oder Verwaltungsräume untergebracht werden. Das Pfarrheim könnte dann verkauft oder in dringend notwendigen Wohnraum umgewandelt werden. Immer häufiger werden Gotteshäuser auch über Konfessionsgrenzen hinweg gemeinsam genutzt. Ökumene in bester Form. Auch dafür braucht es aber klare Absprachen, gegenseitigen Respekt und eine gehörige Portion Toleranz. Um solche Aufgaben stemmen zu können, ist bei den Betroffenen und Beteiligten eine Bereitschaft zum gemeinsamen Neuanfang die wichtigste Voraussetzung. Ein echt österliches Projekt.
In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.