THEOLOGIE

Braucht Kirche Demokratie und kann sie ihr helfen? Das sagt Thomas Söding

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Ist der christliche Glaube „Schwungrad“ der Demokratie, wie Kardinal Marx meint? Was sagt das Konzil zu ihr? Der Theologe Thomas Söding sortiert.

Von KNA, jjo

Welche Beziehung haben Kirche und Demokratie? Der Theologe Thomas Söding schaltet sich in die Debatte zwischen Kardinal Reinhard Marx und Jan-Heiner Tück ein.

Nachdem der Münchner Erzbischof den christlichen Glauben als „Schwungrad“ für Demokratie bezeichnet hatte, was Tück ablehnte, schreibt Söding bei communio.de, die Kirchen sollten „ein starkes Interesse an freiheitlicher, rechtsstaatlicher Demokratie“ haben. Und das nicht nur, weil Religionsfreiheit garantiert, sondern auch, weil soziale Verantwortung organisiert werde.

Söding: Option für Demokratie ist Konzils-Lehre

Der in Wien lehrende Theologe Tück hatte argumentiert, die Kirche müsse „in ihren kulturellen Großräumen mit unterschiedlichen Staatsformen koexistieren“. Söding weist darauf hin, die frühere theologische Lehre von der „Äquidistanz zu allen politischen Systemen“ sei seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil überholt. Seitdem sei die Option für Demokratie und Menschenrechte verbindliche Lehre. „Die Piusbrüder haben das nicht begriffen, die Neo-Integralisten auch nicht“, so Söding.

Der in Münster lebende Bochumer Theologe sieht enge Zusammenhänge zwischen Kirchen- und Demokratiekrise. Der Demokratie gingen die Demokraten aus, der Kirche die Christen, „die ihre Gottesliebe durch Nächstenliebe bewahrheiten“. Nächstenliebe dringe in die Räume der Politik vor, weil „ihr die Verantwortung für das Gemeinwohl nahegeht – so wenig das Gebot der Nächstenliebe bereits ein hinreichendes Prinzip der Politik, geschweige denn ein staatliches Gesetz wäre“.

Theologe Tück: Wird Gott beim Thema Demokratie verzweckt?

Tück hatte es abgelehnt, Gott für die Stabilisierung der Demokratie zu verzwecken. Wer Gott zum Garanten des eigenen politischen Projekts mache, verfüge über ihn – und sei es mit besten Absichten. Söding erklärt, die Kirche nehme ihre politische Verantwortung dadurch wahr, dass sie nicht in der Politik aufgehe, sondern Gott die Ehre gebe und jeden Menschen als sein Ebenbild sehe.

„Die Kirche hat die Aufgabe, in einer Weise den Glauben zur Sprache zu bringen, die durch keinen Staat dieser Welt reglementiert, aber in der Öffentlichkeit verstanden werden kann“, so der Vizepräsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken (ZdK). Söding schreibt, früher habe die Kirche aus der Einsicht, dass der freiheitliche demokratische Rechtsstaat von Voraussetzungen lebe, die er selbst nicht garantieren könne, Ansprüche auf Gehör abgeleitet: „Heute muss ihr klar werden, dass sie eine Bringschuld zu entrichten hat.“

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