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Sie sind zentrale Orte in den Gemeinden und Orientierungspunkte in der Landschaft. Dass sie häufiger geschlossen sind, findet Robert Boecker bitter.
Als ich vor mehr als drei Jahrzehnten bei der Kölner Kirchenzeitung meine Arbeit begann, war ich bereits mit dem „Fieber des Jägers und Sammlers“ infiziert. Meine Jagdobjekte waren und sind Geschichten für meine Leserinnen und Leser. Da Reportagen nur selten von allein auf den Schreibtisch in der Redaktion fallen, muss man sich schon selbst auf die Suche begeben. Schon damals habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, den Tag nach der Produktion der aktuellen Ausgabe zu nutzen, um rauszufahren und das Bistum – in meinem Fall das Erzbistum Köln – kennenzulernen. Morgens überlegte ich mir die grobe Richtung – und los ging es.
Oft werden Kirchtürme als „Leuchttürme des Glaubens“ bezeichnet. Auch für mich waren sie damals – und sind es bis heute – weithin sichtbare Orientierungspunkte, die ich vorrangig ansteuere. Der Schritt in eine bislang unbekannte Kirche hat oft etwas von einer Wundertüte. Man weiß nie, was einen erwartet, welche Kunstschätze den neugierigen Besucher vielleicht faszinieren. Am Schriftenstand erfährt man etwas über das Leben in der Gemeinde, bekommt Hinweise auf Aktionen und besondere Aktivitäten. Nicht selten werden so Ideen für Geschichten geboren.
Immer öfter Kirchen verschlossen
Der Autor:
Robert Boecker ist Chefredakteur der Kölner Kirchenzeitung.
Nie habe ich eine Kirche verlassen, ohne ein Gebet zu sprechen und eine Kerze zu entzünden. Die Kirchen mit ihrer meist mystischen Atmosphäre sind im hektischen Alltag Stationen des Innehaltens, des „zur Ruhe Kommens“. Aber wie oft ist es mir in den vielen Jahren passiert, dass ich an allen Portalen vergeblich die Klinke gedrückt habe und enttäuscht von dannen ziehen musste.
Auch heute noch nehme ich mir hin und wieder die Zeit, die in den jungen Journalistenjahren liebgewonnene Praxis fortzusetzen. Die bitteren Erfahrungen, die Häuser Gottes verschlossen zu finden, setzen sich fort. Es hat den Anschein, dass sich mit den immer weiter zurückgehenden Zahlen der Gottesdienstbesucher eine Mentalität verfestigt, wonach es keinen Sinn zu machen scheint, Kirchen noch offenzuhalten.
Was Papst Franziskus dazu sagt
Natürlich weiß auch ich, dass es nicht alle Menschen, die in eine Kirche gehen, gut meinen. Ja, jeder Schaden, jede Verschmutzung ist mehr als ärgerlich – und wird selbstverständlich aufmerksam registriert. Aber niemand weiß, wie viele Zwiegespräche zwischen Himmel und Erde in einer geöffneten Kirche jeden Tag stattfinden.
Für Papst Franziskus waren verschlossene Kirche überflüssige Kirchen, die niemand braucht. Wofür sind Kirchen da? Für die wenigen Menschen, die sich in den meisten Gemeinden sonntags im Gottesdienst verlieren? Oder sollten Gotteshäuser nicht vielmehr die „ausgestreckten Hände“ einer Institution sein, der es immer schwerer fällt Menschen zu erreichen?
Erst kürzlich war ich wieder einmal unterwegs. In der von mir angesteuerten Kirche waren beide Flügel des Hauptportals weit geöffnet. Nein, kein Handwerker war zugange oder jemand reinigte die Kirche. Es war vielmehr eine Einladung hereinzugehen. Ein wirklich schönes Zeichen – genau dafür sind Kirchen da!
In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.