Umfrage erfasst Veränderungen der letzten 18 Jahre

Katholische Kirchen in Deutschland: 538 aufgegeben – 49 neu gebaut

Die katholische Kirche in Deutschland hat seit dem Jahr 2000 rund 540 Kirchengebäude und Kapellen aufgegeben. Von den 538 profanierten Gotteshäusern wurden 160 abgerissen und 142 verkauft, wie eine Umfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) unter den 27 Bistümern ergab. Alle zusammen oder deren Gemeinden unterhalten derzeit aber weiterhin fast 22.200 Kirchen und Kapellen – Hauskapellen nicht eingerechnet. Wegen rückläufiger Katholikenzahlen planen einige Diözesen weitere Einschnitte.

Die meisten profanierten Kirchen meldet mit 80 das Bistum Magdeburg. Hierbei handele es sich aber überwiegend um Gottesdiensträume, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Gaststätten, Baracken oder Ställen eingerichtet wurden, um dem damaligen Vertriebenen-Zuzug gerecht zu werden. Kirchen im höheren zweistelligen Bereich haben auch die Bistümer Hildesheim (63), Münster (60), Essen (57), Trier (33) und Aachen (25) aufgegeben. 35 Kirchengebäude wurden in dem Zeitraum laut Umfrage anderen christlichen Konfessionen überlassen. Viele Kirchen dienen nun anderen Zwecken, etwa als Kita, Pflegeheim, Restaurant, Kulturraum oder Archiv.

Wo stehen die meisten, wo die wenigsten Kirchen?

Insgesamt nur 16 Profanierungen gab es bislang in den sieben bayerischen Diözesen. Dort allein finden sich etwa 40 Prozent aller Kirchengebäude in Deutschland (9.256). Die meisten Kirchen und Kapellen verzeichnet das Bistum Augsburg (2.050), gefolgt von Regensburg (2.000), Trier (1.877), Freiburg (1.835), Rottenburg-Stuttgart (1.400), Paderborn (1.255), Köln (1.200) und Würzburg (1.100).

Die wenigsten katholischen Kirchen befinden sich in Ostdeutschland: So zählt Erfurt 226, Berlin 214, Magdeburg 200, Dresden-Meißen 156 und Görlitz 48 Kirchen. Auf relativ wenige Kirchen kommen auch Osnabrück (295), Essen (260) und Hamburg (208).

100 Kirchen umgenutzt

Zur künftigen Entwicklung machen die Diözesen kaum Angaben. Das Bistum Aachen rechnet damit, dass rund 40 Kirchen einen Veränderungsprozess erfahren werden. Einen tiefgreifenden Wandel erwartet das Bistum Essen. Dort mussten die 42 Pfarreien bis Ende 2017 ein Konzept vorlegen, ihre Ausgaben bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren. Nach einer inoffiziellen Berechnung sehen die Voten der Pfarreien vor, dass die Pfarreien nur noch 90 der rund 260 Kirchen halten. Die anderen 170 Gotteshäuser müssten dann alternativ finanziert oder aufgegeben werden.

Seit dem Jahr 2000 gab es bundesweit 49 Neubauten, teils auch als Ersatz für baufällige oder dem Tagebau weichende Kirchen. Rund 100 Kirchen haben eine veränderte liturgische Nutzung erfahren, etwa als Urnen-Begräbnisstätte oder Kombination aus Gebets- und Gemeindesaal.

Und wie sieht es bei den Protestanten aus?

Die Protestanten verfügen bundesweit über rund 20.500 Kirchen und Kapellen. Nach der jüngsten Statistik der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wurden hier zwischen 1990 und 2015 etwa 710 Kirchenbauten aufgegeben, vor allem in Westfalen, Mitteldeutschland und im Rheinland. 330 werden anders oder gar nicht mehr genutzt oder vermietet. 272 Gotteshäuser wurden verkauft und 105 abgerissen.