Weihbischof Wilfried Theising aus Vechta nimmt teil

Katholisches Weltfamilientreffen: Wie geht's der Familie?

Das Motto des katholischen Weltfamilientreffens ab dem 21. August in Dublin – „Das Evangelium der Familie. Freude für die Welt“ – klingt nach „Friede, Freude, Eierkuchen“. Geplant ist dergleichen nicht, so Kurienkardinal Kevin Farrell in der Zeitung „Avvenire“. Es gehe um einen realistischen Blick auf die Lage von Familien weltweit.

Grundlage des Treffens ist das Schreiben „Amoris laetitia“ von 2016 – bislang vor allem wegen der Diskussion um die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion wahrgenommen. In Dublin soll es nun auch um andere Passagen gehen. Etwa um die Schönheit ehelicher Liebe, verantwortete Elternschaft oder darum, dass eine „übertriebene Idealisierung“ die Ehe nicht attraktiver gemacht, sondern das Gegenteil bewirkt habe.

Auch Missbrauch wird Thema sein

Gesprochen werden soll auch über Missbrauchsskandale, die Irland in den vergangenen Jahren erschüttert haben. Unter den Referenten des Kongresses sind auch die früheren Mitglieder der Päpstlichen Kinderschutzkommission Marie Collins und Sheila Hollins.

Irlands Regierungschef Leo Varadkar und Dublins Erzbischof Diarmuid Martin erwarten von Papst Franziskus bei dessen Besuch am 25. und 26. August klare Worte zur Verantwortung der Kirche für Missbrauch. Mit Äußerungen des Papstes ist fest zu rechnen. Wann und wo er sehr wahrscheinlich Betroffene treffen wird, bleibt vorher unbekannt.

Der offiziellen deutschen Delegation gehören laut Bischofskonferenz 32 Menschen an. Darunter sind vier Familien mit insgesamt elf Kindern, der Vorsitzende der Familienkommission, der Berliner Erzbischof Heiner Koch, und sein Stellvertreter, Weihbischof Wilfried Theising aus Vechta.

Varadkar will den Papst zugleich daran erinnern, wie sich die Auffassungen der Iren zu Homosexualität, Familienformen und Abtreibung geändert haben. Im Mai 2018 stimmten zwei Drittel für eine Änderung des bislang sehr strengen Abtreibungsverbots.

Heikle Diskussionen für die Kirche

Dass die Diskussion nicht einfach wird, räumt Kardinal Farrell ein. Abtreibung bleibe ein schweres moralisches Vergehen und sei schon gar kein „Recht“. Ebenso wenig ändere die Kirche ihre Sicht zur Ehe als Gemeinschaft von Frau und Mann oder zu Homosexualität. Was nicht bedeute, dass homosexuelle Menschen diskriminiert oder aus Gemeinden ausgeschlossen werden dürften.

Insofern setzt sich fort, was Johannes Paul II. im Sinn hatte, als er 1994 zum ersten katholischen Weltfamilientreffen nach Rom einlud. Gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen zu Familienformen sollten katholische Alternativen entgegengestellt werden. Anders als unter dem Papst aus Polen wird das unter Franziskus wohl etwas dialogorientierter geschehen.

Experte zu Homosexualität und Gender diskutiert mit

Ein Indiz dafür ist die Teilnahme des US-Jesuiten James Martin, der sich mehrfach verständnisvoll zu den Themenkomplexen Homosexualität, Bisexualität und Transgender (LGBT) geäußert hat. Für konservative Katholiken ist er zum „roten Tuch“ geworden.

Gesprochen werden soll auch über Themen wie Europas niedrige Geburtenrate und das Bevölkerungswachstum in Afrika und Asien sowie den Zusammenhang mit Migration. Zudem geht es um Frauen in Führungspositionen, um Konfliktlösung – und um Praktisches wie Mobilgeräte im Familienleben, gemeinsame Mahlzeiten und die Schwierigkeit, als Familie zu beten.