Wie die Heilige Schrift mit heißen Temperaturen umgeht

Kein Sonnengesang! Kühlende Bibel-Tipps gegen Hitze

Ob Klimawandel oder einfach Affenhitze – was in diesen Tagen temperaturmäßig auf Deutschland zukommt, ist nichts Neues: Mit heißen Temperaturen kennt sich auch die Heilige Schrift aus und liefert Top-Tipps.

Nazaret 33 Grad, Jerusalem 31, Tiberias 34 – Münster 36 Grad: Deutschland in überbiblischer Hitze! Wenn kühlende Getränke gerade nicht zur Hand, Schatten nicht in Sicht und dunkle Räume zu mulmig sind, hilft nur eins: Quellen befragen, die sich mit sowas auskennen. Was also liegt näher, als mit schweißtropfenden Fingern durchs Buch der Bücher zu blättern, das nicht nur mit einem ausführlichen Erfahrungsbericht von 40 Jahren in der Wüste punkten kann, sondern auch sonst eher in Gegenden mit höheren Temperaturlagen beheimatet ist: Israel und Ägypten allen voran – gegen Ende kommen dann auch Italien, die Türkei und Griechenland ins Spiel.

Fakt ist: „Solange die Erde besteht, sollen nicht aufhören Kälte und Hitze“ (Gen 8,22). Diese Grunderkenntnis, dieser Tage eher im Klang der Drohung wahrgenommen, entstammt mitnichten der Strafrede Gottes bei der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies (das vermutlich bei konstanten 20 Grad temperiert gewesen sein dürfte). Das Gegenteil ist der Fall: Nach 40 Tagen reichlich einseitigen Wettergeschehens, das einen gewissen Noach gar aufs Schiff flüchten ließ, reute es Gott, und er versprach, künftig für eine deutlich ausgewogenere meteorologische Situation auf dem Globus zu sorgen. Wobei er freilich damals noch nicht damit rechnen konnte, dass der Mensch sich einmal auch das Klima untertan machen würde. Hitziges Kerlchen offenkundig.

Todesfalle Siesta

Die Folgen eindeutig erhöhter Temperatur kannten gleichwohl schon David, Saul, Jonatan und Gefährten: eine kaum zu bändigende Trägheit beispielsweise (2 Sam 4,5f). Zwei Truppenführer namens Baana und Rechab machen sich diese menschliche Schwäche bei einer hässlichen Racheaktion zunutze. Den Feind Ischbaal umzubringen, gelingt ihnen nämlich vor allem deshalb so reibungslos, weil a) Ischbaal um die heißeste Zeit des Tages Mittagsruhe hält und tragischerweise b) auch seine Türhüterin beim Weizenreinigen eingeschlafen ist. Ein recht drastischer Beweis dafür, dass nicht nur übermäßige Hitze, sondern auch ein mittägliches Nickerchen im kühlen Schlafgemach kopflos machen kann. Da gilt es, klug abzuwägen.

Das Buch Judit weiß zudem zu berichten, dass einer beim Garbenbinden auf dem Feld stand – und einen Hitzschlag erlitt (Jdt 8,3). Auch er starb bedauerlicherweise. Also: Hände weg von der Arbeit!

Singen gegen Sengen

Nun ist nicht nur die Sonne zur Entwicklung von Höchsttemperaturen in der Lage, sondern auch gemeine Königsknechte, beispielsweise wenn sie „nicht aufhören, einen Ofen mit Harz und Werg, Pech und Reisig zu heizen“. Über die Innentemperatur ist leider nichts überliefert, wohl aber, dass die Flammen sage und schreibe biblische 49 Ellen hoch aus dem Ofen schlugen. Dennoch ist davon auszugehen, dass ein längerer Verbleib inmitten dieses Ofens anders als in einer finnischen Sauna alles andere als gesundheitsfördernd gewesen sein dürfte. Umso erstaunlicher, wie drei Männer auf die vermutlich mehr als 95 Grad reagierten, mit denen sie auf Geheiß des Königs Nebukadnezzar umgeben wurden, zur Strafe für ihren Glauben an Gott. Sie gingen nämlich nicht nur in diesem offenbar recht geräumigen Ofen umher, sondern trotzten der Hitze durch einen recht ausführlichen Lobgesang.
Damit nicht genug! Sie heizten gewissermaßen ihrer Umgebung auch noch ein: „Feuer und Sommersglut, preiset den Herrn!“ (Dan 3,66) Sinnvollerweise hat das Gotteslob dazu eine recht hübsche Melodie parat – zu finden unter Nummer 619,2. Singen gegen Sengen – warum auch nicht?

Wem Gesang gegeben ist, dem sei gleichwohl eine – na, sagen wir: nicht ganz so schweißtreibende Liedzeile empfohlen, die sich sicherheitshalber gleich direkt an den Heiligen Geist wendet. Zwar wird ihm auch zugetraut, als „unerschaffne Glut“ (GL 348,4) „Sinne und Gemüt“ zu entflammen (GL 342,4). In sommerlicher Hitze wäre aber definitiv sein „lebendig Wehn“ von Nöten, ohne das „im Menschen nichts bestehn“ kann. In diesem Sinn: „Komm herab, o Heilger Geist, hauch in Hitze Kühlung zu!“ (GL 344,4).

Einfach die kalte Schulter zeigen

Damit man künftig von heißen Überraschungen nicht kalt erwischt wird, sei schließlich ein Tipp an den Schluss gestellt, der – zugegebenermaßen etwas aus dem Zusammenhang gerissen – Jesus selbst zugeschrieben wird: „Wenn der Südwind weht, wird es heiß“ (Lk 12,55). Muss man halt mal einen Finger in die Luft strecken! Oder einfach die kalte Schulter zeigen ...

Zugegeben, keine große Weisheit. Doch halt! Genau von ihr, von der Weisheit nämlich, heißt es: Wohl dem, der über sie nachdenkt, „der sich in ihrem Schatten vor der Hitze verbirgt“ (Sir 14,27).

Und? Schon etwas kühler geworden bei der Lektüre?