„Kirche-und-Leben“-Recherche

Keine Übergriffe auf christliche Flüchtlinge im Bistum

Im Gebiet des Bistums Münster hat es nach Recherchen des Internet-Magazins kirchensite.de keine Übergriffe gegen christliche Flüchtlinge gegeben. Helmut Flötotto, Flüchtlingsbeauftragter des Bistums Münster, sagte am Mittwoch (25.05.2016), seine Erkenntnisse stünden im Gegensatz zu Meldungen, es gebe vermehrt Übergriffe auf Christen in deutschen Flüchtlingsunterkünften. Entsprechende Darstellungen der Organisation „Open Doors“ beurteilte Flötotto als „nicht seriös“. Flötotto ist neben seiner Tätigkeit als Flüchtlingsbeauftragter auch Referatsleiter „Soziale Arbeit“ beim Diözesan-Caritasverband.

Auch die Caritas im Oldenburger Land hat keine Hinweise darauf, dass in den regional kirchlich betreuten Flüchtlingswohnheimen christliche Flüchtlinge von Muslimen bedroht oder geschlagen werden. Der Flüchtlingsreferent des Landes-Caritasverbands für Oldenburg, Dietmar Fangmann, sagte zu kirchensite.de, nach einer Umfrage in den 24 Flüchtlingswohnheimen der Caritas hätten sich die Ergebnisse der Studie von „Open Doors“ nicht bestätigt. Die Organisation hatte zwischen Februar und April 231 Fragebogen ausgewertet und auf dieser Basis von Übergriffen gegen christliche Flüchtlinge berichtet.

Allerdings Berichte über Beleidigungen

Der Pfarrer der Gemeinde der arabisch sprechenden Christen im Bistum Münster, Miled Abboud, konnte im Gespräch mit kirchensite.de Übergriffe auf Christen in Flüchtlingseinrichtungen in Münster ebenfalls nicht bestätigten. „Ich habe von keinem einzigen Fall gehört“, sagte der aus dem Libanon stammende Geistliche, zu dessen Gemeinde rund 300 arabischsprachige Christen gehören. Allerdings hätten ihm christliche Flüchtlinge von Beleidigungen durch muslimische Mitflüchtlinge erzählt. Einige seien als „ungläubig“, „schlechte Menschen“ oder „Schweine“ bezeichnet worden.

Am Sonntag (22.05.2016) hatte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ über Zweifel an den Zahlen von „Open Doors“ berichtet. Die Organisation widersprach dem Vorwurf mangelnder Seriosität, die Zeitung blieb aber bei ihrer Darstellung. Auch die Deutsche Bischofskonferenz hatte die Erhebung von „Open Doors“ sehr zurückhaltend bewertet.