Vizepräsident des Deutschen Caritasverbands: 97 Prozent Tarifbindung

Kessmann widerspricht Kossen: Caritas umgeht Tarif nicht

Die Caritas weist den Vorwurf zurück, durch Ausgliederungen Tarifverträge zu umgehen. „Im Kernbereich unseres Auftrags haben wir bundesweit eine Tarifbindung von 97 Prozent“, sagte der Vizepräsident des Deutschen Caritasverbands, Heinz-Josef Kessmann aus Münster, auf Anfrage von „Kirche-und-Leben.de“. Zum Kernbereich zählt Kessmann unter anderem die Kranken- und Altenpflege und die Hilfe für Menschen mit Behinderungen.

Zuvor hatte der für Arbeitnehmerrechte engagierte Pfarrer Peter Kossen aus Lengerich kritisiert, auch in katholischen Altenheimen und Krankenhäusern würden Beschäftigte ausgegliedert, um zum Beispiel den Caritas-Tarif zu umgehen.

Was für Ausgliederungen gilt

Für Kernbereiche wie Pflege trifft das laut Kessmann nicht zu. Er verwies auf den Fachkräftemangel: „Würden wir unter Tarif bezahlen, dann gingen unsere Pflegekräfte doch zu anderen Trägern.“ Kessmann ist als Vorsitzender der Arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbands auch mit dem bundesweiten Caritas-Tarifwerk befasst.

Gleichwohl gebe es Ausgliederungen. „Wenn Caritas-Träger gewerbliche Betriebe gründen, dann gilt für diese ausdrücklich nicht der Caritas-Tarif“, erläuterte er. „Allerdings sind diese Tochterfirmen verpflichtet, einen branchenüblichen Tarifvertrag anzuwenden, den eine Gewerkschaft des Deutschen Gewerkschaftsbunds abgeschlossen hat.“ Als Beispiele für solche Ausgliederungen nannte Kessmann Integrationsbetriebe, in denen auch Beschäftigte mit Behinderung arbeiten.

Hohe Tarifbindung auch im Bistum Münster

Dass die Tarifbindung im Caritas-Kernbereich bei 97 Prozent liegt, habe eine bundesweite Umfrage von 2013 ergeben. „Im Bistum Münster gab es damals nur ein Unternehmen, das den Caritas-Tarif nicht angewendet hat“, sagte Kessmann. Der Träger sei gewerblich tätig gewesen und deshalb 2014 aus der Caritas ausgeschieden.