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Djalwana Laurent Lompo besuchte den Niederrhein, um auf die Situation in dem westafrikanischen Land aufmerksam zu machen. Was er erzählte.
Mit ruhiger, fester Stimme berichtet Erzbischof Djalwana Laurent Lompo in der Wohnung von Elke Kleuren-Schryvers in Kevelaer aus seiner Heimat, dem Erzbistum Niamey im Niger. Seine Gastgeberin, Vorsitzende der „Aktion Pro Humanität“ (APH), übersetzt Lompos Erzählungen über Hunger, Terror und Vertreibung.
Noch immer, sagt der Erzbischof, gibt es innerhalb Afrikas eine unvorstellbare Binnenflucht, insbesondere vom Land in die Städte. Immer wieder würden Terroristen über die kleineren Ortschaften herfallen. Männer auf Motorrädern, schwer bewaffnet, die auf schutzlose Menschen stoßen. „Alle Menschen eines Dorfes werden zusammengetrieben und einige vor den Augen der anderen wahllos erschossen. Allen anderen sagt man, dass sie zwei Tage Zeit haben, das Land zu verlassen, sonst würden auch sie ermordet“, berichtet Lompo.
„Sie wollen alle Menschlichkeit eliminieren“
Bedeutende religiöse Gründe gebe es für den Terrorismus nicht, betont er. „Die Mörder verweisen zwar auf den Islam, aber es werden auch immer mehr Muslime angegriffen. Bei einem Überfall auf eine Moschee wurden 44 Muslime ermordet. Das Ziel der Terroristen ist es, das Land von Guinea bis zur Küste zu besetzen. Sie wollen alle Menschlichkeit eliminieren.“
Seit dem Staatsstreich im Niger vor zwei Jahren gebe es zwar eine erhöhte Militärpräsenz, die sichere aber vor allen Dingen die Städte, zudem seien die Soldaten mit ihrer Ausrüstung den Terroristen manchmal unterlegen. Die Militärregierung sei sichtbar darum bemüht, die Jugend besser auszubilden und in Arbeit zu bringen, auch führe sie Gespräche mit allen religiösen Gruppen auf Augenhöhe. „Das gilt auch für die Zusammenarbeit mit uns Christen, wenn jemand öffentlich Meinung gegen uns machen will, so wird das unterbunden“, sagt Lompo.
„Hunger betrifft jeden Menschen im Niger“
Doch trotz aller Bemühungen seien viele Schulen aufgrund der terroristischen Attacken noch immer geschlossen. Seit die amerikanische Regierung die Hilfsprogramme nahezu vollständig gestoppt hat, werde es zudem immer schwieriger, die Menschen zu ernähren. Durch Landflucht, Terror und Trockenheit sei das Land immer weniger in der Lage, die Menschen aus eigenen Mitteln zu versorgen. „Der Hunger betrifft jeden Menschen im Niger“, betont der Erzbischof.
„Mein Ansatz ist, dass man auch mit dem Wenigen, was da ist, arbeiten muss“, sagt er. Daher sei er sehr dankbar für die Spenden, die ihn immer wieder aus dem Bistum Münster und vom Niederrhein erreichen – sei es vom Bistum, der Caritas, der Familie Seibt oder zahlreichen anderen Spendern, die den Menschen im Niger zum Beispiel über die APH Geld zukommen lassen. „Auch, wenn es in Anbetracht der Masse der notleidenden Menschen schwierig ist, versuchen wir, mit diesen Mitteln das Bestmögliche zu erreichen“, verspricht Lompo.
Sahel-Zone in Weltpolitik unbeachtet
Enttäuscht ist er allerdings, dass die Situation in seiner Heimat sowie der ganzen Sahel-Zone auf Ebene der Weltpolitik keine Beachtung mehr findet. „Wir haben versucht, deutlich zu machen, dass – wie in der Ukraine – auch bei uns jeden Tag Menschen bei den Angriffen der Terroristen sterben, dass die Menschen aus Furcht um ihr Leben auf der Flucht sind und Hunger leiden. Aber es gelingt uns nicht, die Welt auf diese schreckliche Situation aufmerksam zu machen“ beklagt er.
Auch deshalb bereist er Europa und besucht den Niederrhein, um immer wieder an das Schicksal der Menschen in seiner Heimat zu erinnern, und nicht nur um Spenden, sondern auch um Aufmerksamkeit und Gebet für sie zu bitten. „Ich kann hier am Niederrhein neue Kraft sammeln. Wenn ich mit dieser Kraft und auch konkreter Hilfe zurück in den Niger reise, dann weiß ich, dass ich helfen kann. Wenn auch nicht allen Menschen“, sagt Lompo.
Wer für die Aktion Pro Humanität spenden möchte, findet weitere Informationen auf www.pro-humanitaet.de.