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50 schlaue Mädchen und Jungen bei Vorlesung in Fulda

Kinder-Uni: Bischof Gerber, die Bibel und eine Christus-Echse

Sein Vorlesungsthema war nicht einfach: „Sind die Geschichten von Jesus in der Bibel eigentlich echt so passiert?“ Doch die Kinderuni in Fulda wurde für Bischof Michael Gerber zu einem besonderen Erlebnis.

Sein Vorlesungsthema war nicht einfach: „Sind die Geschichten von Jesus in der Bibel eigentlich echt so passiert?“ Doch die Kinderuni in Fulda wurde für Bischof Michael Gerber zu einem besonderen Erlebnis.

Davon kann mancher Professor bei Vorlesungen an „normalen“ Universitäten nur träumen: Kaum ist die Frage an die Studentenschaft gestellt, schnellen ein Dutzend Finger nach oben – und dann kommen blitzgescheite Antworten. So erging es dem Fuldaer Bischof Michael Gerber (50) bei der „Kinderuniversität“ in Fulda. „Sind die Geschichten von Jesus in der Bibel eigentlich echt so passiert?“, lautete das Thema seiner einstündigen Vorlesung, die ein munteres Frage-Antwort-Spiel wurde.

Insgesamt rund 50 Mädchen und Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren hatten sich im Audimax der - neben dem Dom gelegenen – Theologischen Fakultät versammelt. In diesem holzgetäfelten und von Büchern gesäumten alten Bibliothekssaal fühle man sich „wie bei Harry Potter“, so Gerber. Die 2001 ins Leben gerufene Kinderuniversität – ein Projekt der Kinder-Akademie Fulda in Kooperation mit der Hochschule Fulda – hatte das erste Mal einen Bischof im Programm, wie die zuständige Referentin Martina Grohn der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte.

Ambiente wie in Hogwarts

 Blick ins Audimax der Theologischen Fakultät Fulda.Wie in Hogwarts: Blick ins Audimax der Theologischen Fakultät Fulda. | Foto: Bistum Fulda

Auch wenn das Ambiente wie ein verwunschener Raum in Hogwarts anmutete, hatte das, worüber der Bischof sprach, wenig mit Fantasy zu tun - sondern mit einer harten, oft grausamen Wirklichkeit. Gerber beschönigte nichts und sprach etwa über Verfolgungen der ersten Christen.

Als er über die Jünger Jesu redete, merkte ein Junge im Saal an, dass Petrus – we zuvor Jesus – wohl auch gekreuzigt wurde. Dazu sagte Gerber: „Das kann man sich gar nicht ausmalen, was das für Schmerzen sind.“

Jünger ohne Smartphone und Kopierer

Doch schon wenige Jahrzehnte nach dem Tod Jesu, etwa im Jahr 60 nach Christus, habe es eine große Schar von Christen gegeben, die sich „ganz schnell ausgebreitet“ habe. „Das ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass tatsächlich etwas mit Jesus gewesen sein muss“, so der Bischof. Er berichtete, dass die ersten Christen die Erzählungen über Jesus aufgeschrieben hätten - „und weil sie keinen Kopierer und auch kein Smartphone hatten“, immer wieder abgeschrieben hätten, noch bevor die vier Evangelien verfasst wurden.

Zudem zeigte Gerber ein Foto des „ältesten erhaltenen Zettelchens von einem Evangelium“, und zwar eine Stelle aus dem Johannes-Evangelium, etwa aus dem Jahr 125 nach Christus. In dem altgriechischen Text, den der Bischof – etwas stockend – zunächst im Original vorlas, spricht Jesus zu Pontius Pilatus davon, dass er gekommen sei, „um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen“ (Joh, Kapitel 18, Vers 37).

Gerber: Ich war echt baff, was die alles wussten

Bischof Michael Gerber.Bischof Michael Gerber. | Foto: Nina Roth (Bistum Fulda)

Als im Fuldaer Audimax die Sprache darauf kommt, dass Jesus in einer biblischen Geschichte einen Sturm beruhigt und in einer anderen auf dem Wasser läuft, meldet sich ein Junge: „Es gibt auch ein Tier, das über das Wasser laufen kann: die Jesus-Christus-Echse.“ Gerber scheint einen Augenblick verblüfft. Tatsächlich sind diese Leguane keine Fabelwesen, sondern können rund zehn Meter über Urwaldseen in Südamerika sprinten. Gerber resümiert später: „Ich war echt baff, was die alles gewusst haben!“

Als der Bischof fragt, woran die Jünger den auferstandenen Jesus letztlich erkannt hätten, kommt die Antwort prompt: „An seinen Wunden!“ Gerber erzählt dazu, dass es eigentlich sehr untypisch für die damalige Zeit gewesen sei, Helden derart schwach zu zeigen. Die Römer hätten etwa Herkules in Standbildern sehr machtvoll dargestellt. Doch ein Held mit Wunden und am Kreuz? „So eine Geschichte denkt man sich eigentlich nicht aus, wenn alle anderen sagen: Das ist doch völlig uncool!“, sagt Gerber. Auch das ist nach Ansicht des Bischofs ein Hinweis auf die Echtheit der Geschichten um Jesus.

Als Relilehrer bekommt Gerber eine Eins

Gerber war von der Kinder-Akademie angefragt worden und sah vorab seine Vorlesung als „Riesenchance, Menschen in Verbindung mit Jesus zu bringen“. Das scheint ihm gelungen zu sein. Jan (9) sagte nach der Veranstaltung, der Bischof sei anders als mancher Religionslehrer: „Er erzählt mehr über Gott und Jesus.“ Marie (9) meinte, der Bischof sei „sehr gut drauf“ gewesen. Als Relilehrer bekäme er von ihr die „Note 1“. Und auch Gerber war begeistert: „Ihr wart ein ganz aufmerksames Publikum und habt toll mitgemacht! Wir hätten noch zwei Stunden so weitermachen können.“

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