Zollner: Keinesfalls auf dem Erreichten ausruhen

Kinderschutzexperte: Deutschlands Kirche führend in Prävention

Der Vatikan-Kinderschutzexperte Hans Zollner hat die Reformanstrengungen der katholischen Kirche in Deutschland im Umgang mit sexuellem Missbrauch gelobt. In vermutlich kaum einer Institution in Deutschland sei Prävention „so flächendeckend vorhanden“ wie in der Kirche, so Zollner.

„Deutschland gehört inzwischen wie Irland, die USA oder Australien zu den führenden Nationen weltweit“, sagte der Psychologe und Theologe der „Herder Korrespondenz“ (Februar-Ausgabe). Zollner gehört zu einem Team, das für den Papst das Bischofstreffen zu Missbrauch und Kinderschutz Ende Februar in Rom vorbereitet.

Zollner: Es genügt nicht, Regeln aufzustellen

Weltweit zeigten die bisherigen Statistiken, dass Präventionsarbeit wirkt. „Dort, wo über Jahre hinweg Präventionsmaßnahmen aufgesetzt und stringent durchgeführt wurden, geht die Zahl neuer Anschuldigungen nach den Jahren der Einführung dieser Maßnahmen gegen null“, so der Psychologe. Allerdings dürfe man sich keinesfalls auf dem Erreichten ausruhen.

Zwar sei „alles für gute Prävention zu tun; aber das heißt nicht, dass wir Missbrauch ein für alle Mal verhindern können“, warnte Zollner. Niemand könne Menschen zu 100 Prozent kontrollieren. Auch genüge es nicht allein, Regeln aufzustellen. Wenn sie nicht zum persönlichen Anliegen der Verantwortlichen und strukturiert umgesetzt würden, blieben sie wirkungslos.

Vier bis sechs Prozent der Weltpriester des Missbrauchs beschuldigt

Überhaupt gebe es nur aus fünf bis sieben Ländern Studien, die wissenschaftlichen Standards genügten. Demnach wurden in den vergangenen 70 Jahren etwa vier bis sechs Prozent der Weltpriester des Missbrauchs beschuldigt. Bei Ordenspriestern sei die Zahl etwas niedriger.