»Silence« von Martin Scorcese startet am 2. März

Kinotipp: Schweigt Gott zu Christenmord?

Pater Rodrigues (Andrew Garfield) zelebriert die Heilige Messe für die christlichen Dorfbewohner im Geheimen.
Filmszene aus »Silence«: Pater Rodrigues (Andrew Garfield) zelebriert die Heilige Messe für die christlichen Dorfbewohner im Geheimen.Foto: Concorde

So spärlich wie schrecklich sind die Nachrichten aus dem fernen Japan, die 1638 Europa erreichen: Zu Tausenden werden Christen dort ermordet, niemand weiß, ob einzelne Missionare die Verfolgung überlebt haben, und der prominenteste von ihnen, Pater Ferreira, hat seinem Glauben angeblich abgeschworen. Die jungen portugiesischen Jesuiten Rodrigues und Garpe machen sich nach Fernost auf, um die Lage zu sondieren und herauszufinden, ob die Gerüchte über Ferreira stimmen.

Jeder versucht, auf eigene Faust ins Landesinnere vorzudringen. Schließlich trifft Pater Rodrigues sowohl auf den meist freundlich lächelnden japanischen Christenschlächter Inoue wie auch auf Ferreira …

Bestimmt ein Flop – kommerziell

Diese Inhaltsangabe wirft sogleich die Frage auf: Wen interessiert ein Kinofilm über die Christenverfolgung im Japan des 17. Jahrhunderts? Die Antwort liegt auf der Hand: fast niemanden. »Silence« erhielt in den USA zwar überwiegend gute Kritiken, verzeichnet jedoch ein miserables Einspielergebnis. Auch hierzulande wird er ganz bestimmt ein – kommerzieller – Flop.

Trailer zu »Silence«.

Der Name Martin Scorsese hilft da wenig; immerhin hat der 74-Jährige so legendäre Filme gedreht wie »Taxi Driver«, »Die Farbe des Geldes«, »Aviator« oder »Departed – Unter Feinden«. Bei »Silence«, so scheint es, handelt es sich um eine fixe Idee des Meisters: Scorsese war hingerissen vom Roman »Schweigen« des japanischen Autors Shūsako Endō und wollte ihn unbedingt verfilmen.

Wie weit darf ein Mensch gehen?

Der Titel »Silence« meint das Schweigen Gottes. Es geht um die uralte und immer wieder aktuelle Frage: Schaut der Gott der Christen selbst dem schlimmsten Leid stumm und tatenlos zu? Scorsese wagt am Ende sogar eine eindeutige Antwort; er präsentiert sie jedoch eher unoriginell, eine der wenigen Schwächen des Films.

»Silence« wirft sodann die Frage auf: Wie weit kann, soll, darf der Mensch gehen, wenn er seinen innersten Überzeugungen treu bleiben will? Er kann es machen wie Kichijiro, der verschlagene Begleiter der Patres: Der knickt sofort ein und beichtet dann, fällt wieder um, beichtet erneut. Andere bleiben standfest – und beugen sich dann doch. Wieder andere gehen in den Tod.

Viel Substanz, viel  Brutalität

Was heißt Liebe in letzter Konsequenz? Gibt es die universell gültige Wahrheit? Die Liste existenzieller Fragen, die dieser große Film dem Publikum zumutet, ließe sich erheblich verlängern. Sehr, sehr selten bietet Kino so viel Substanz und Tiefe. Stichwort Zumutung: Die Darstellung von Grausamkeiten ist schwer erträglich. Christen werden – zum Beispiel – am Meeresufer an eine Art Kreuz gebunden; sie hängen in einer Höhe, dass sie bei Flut gerade eben nicht ertrinken, bis sie nach Tagen doch sterben. In der für die Zuschauer schockierendsten Szene wird einem Gefangenen der Kopf abgeschlagen.

Scorsese weidet sich nicht an der Brutalität, wie es Mel Gibson in »Passion Christi« (2004) tat. »Silence« muss Folter zeigen, weil Handlung und Aussageabsicht des Films das erfordern. Aber die Warnung ist nötig: Man sollte darauf gefasst sein.