Erklärungen von ZdK und Bischofskonferenz nach Anschlag von Halle

Kirche für wirksamere Maßnahmen gegen Antisemitismus

Am Tag nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle dringt die katholische Kirche auf wirksamere Maßnahmen gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus. „Gegen Judenhass muss noch viel konsequenter vorgegangen werden als bisher“, erklärten die Leiter des Gesprächskreises „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), Dagmar Mensink und Rabbiner Andreas Nachama. „Christen haben hier eine besondere Verantwortung, denn sie kennen die Muster der alten Judenfeindschaft, die heute in neuen Gewändern wiederkehren.“

Mensink und Nachama kritisierten, „dass eine solche Gewalt verbunden mit einer großen medialen Selbstinszenierung des Täters in Deutschland verübt werden konnte“. Auch sei es zu wenig, es als Tat eines Einzelnen zu betrachten. „Weit verbreitete Verschwörungsfantasien und gemeinsam geteilter Hass gegen ,die Juden' im Netz und im Alltag bilden den Nährboden für diese menschenverachtende Gewalt.“

Bischof Neymeyr: Ohne Angst Gottesdienst feiern können

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr rief im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) dazu auf, alles zu tun, dass „dauerhaft, nicht nur punktuell, jüdische Einrichtungen geschützt sind und Juden, ohne Angst zu haben, sich versammeln und Gottesdienste feiern können“. Neymeyr ist in der Deutschen Bischofskonferenz für die Kontakte zum Judentum zuständig.

Kirchen laden zu Lichterkette um die Synagoge ein

Für Freitag ist eine Menschen- und Lichterkette um die Synagoge in Halle geplant. Dazu haben die Bischöfe in Sachsen-Anhalt aufgerufen. Sie soll parallel zur Schabbat-Feier ab 18 Uhr stattfinden.

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige, der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer und Anhalts Kirchenpräsident Joachim Liebig erklärten: „Als Zeichen der Solidarität und engen Verbundenheit mit unseren jüdischen Geschwistern wollen wir uns mit einer Menschen- und Lichterkette während der Sabbat-Feier schützend um die Synagogen stellen.“

Bischöfe: Nie mehr wegschauen und wegducken

Einen Angriff auf die jüdische Gemeinde sähen sie auch als einen Angriff auf die Kirchen, so die leitenden Geistlichen: „Wir sehen es als unsere Pflicht, jeder Form von geistiger Brandstiftung im politischen, gesellschaftlichen und individuellen Umgang vehement zu begegnen.“

Es dürfe in Deutschland „nie wieder vorkommen, dass wir uns wegducken, dass wir wegschauen und weggehen, wenn Extremisten, gleich an welchem Rand, menschenverachtende Angriffe auf Synagogen sowie unsere Religions- und Glaubensfreiheit, genauso wie auf andere wesentliche Menschen- und Grundrechte verüben“.