ZUKUNFT DER KIRCHE

Wie Gemeinde ganz anders geht: Martin Ebner empfiehlt Neues Testament

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Bischöfe leiten, Priester feiern Gottesdienste, Frauen haben wenig Einfluss in der Kirche heute. Ein Theologe sagt: Die Bibel hatte andere Ideen.

Von KNA

Martin Ebner, Professor für das Neue Testament, sieht eben dieses als „bestes Rezeptbuch“ für Synodalität. Frühchristliche Gemeinden seien deutlich partizipativer und vielfältiger organisiert gewesen als heutige kirchliche Strukturen, sagt Ebner dem Schweizer Portal kath.ch. Das biblische Zeugnis zeige, dass Reformfähigkeit von Anfang an zum Christentum gehört habe.

Die ersten christlichen Gemeinden übernahmen laut Ebner Organisationsformen aus dem städtischen Umfeld, veränderten sie aber grundlegend: Alle Getauften galten als Vollmitglieder und verfügten über Rede- und Stimmrecht, unabhängig von Geschlecht oder sozialem Status.

Leitung im Team statt vom Bischof

Leitung sei meist gemeinschaftlich wahrgenommen worden, häufig durch Ältestenräte oder Teams. Nur in den später entstandenen Pastoralbriefen finde sich das Modell eines allein verantwortlichen Bischofs.

Gottesdienste seien ursprünglich ohne Priester gefeiert worden. Erst Ende des zweiten Jahrhunderts begannen sich Gemeindeleiter als Priester zu verstehen, was langfristig zur Trennung in Kleriker und Laien führte.

Was Frauen in der Kirche alles machten

Eine zentrale Rolle spielten Frauen. Ebner betont: „Frauenpower ist charakteristisch für das frühe Christentum." Frauen seien als Lehrerinnen, Gastgeberinnen, Gemeindeleiterinnen oder Apostelinnen tätig gewesen.

Für heutige Reformprozesse in der katholischen Kirche nennt Ebner drei Leitlinien: „Vielfalt leben ist das Programm des Neuen Testaments.“ Dort stünden „völlig unterschiedliche Theologien und Gemeindeverfassungen nebeneinander, ohne vereinheitlicht zu werden“.

„Ständig ausprobieren“

Zudem solle sich Kirche am normalen Leben orientieren, Strukturen und Feierformen weiterentwickeln. Notwendig sei ein „ständiges Ausprobieren", um Antworten auf aktuelle Herausforderungen zu finden.

Ebner war zuletzt Professor an der Universität Bonn. Sein neues Buch „Mitreden, mitentscheiden, mitgestalten. Wie sich frühchristliche Gemeinden organisierten, und was wir daraus lernen können“ ist im Tyrolia Verlag erschienen.

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