GEMEINDEN

Kirche lebt von Gemeinschaft – nicht von der Institution

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Wenig ansprechende Gottesdienste, schwierige Entscheidungen der Hierarchie: Franziska Amélie Timm sagt, wie Kirche dennoch glaubwürdig bleibt.

Die Gemeinschaft in (m)einer Kirchengemeinde spielt eine wichtige Rolle. Dennoch ist zu beobachten, dass der Kirchenbesuch für viele Jugendliche in den letzten Jahren immer weniger selbstverständlich geworden ist. Doch woran liegt das eigentlich?

Ein Grund könnte sein, dass viele Gottesdienste nicht speziell auf Jugendliche zugeschnitten sind. Zwar werden dort oft Themen behandelt, die grundsätzlich alle Menschen betreffen. Doch die Art und Weise der Vermittlung spricht Jugendliche häufig nicht direkt an.

Formate für alle Generationen

Die Autorin:
Franziska Amélie Timm ist 17 Jahre alt und kommt aus Münster-Albachten. Sie ist Schülerin des Wilhelm-Hittorf-Gymnasiums Münster und engagiert sich bei den Messdienern und der KjG in der Gemeinde St. Ludgerus.

Beim Erntedankgottesdienst der KLJB Roxel-Albachten Anfang Oktober ist mir aufgefallen, wie viele Generationen dort gemeinsam versammelt waren. Der Gottesdienst wurde von Jugendlichen mitgestaltet und im Anschluss gab es noch Speis und Trank.

Auch ich muss zugeben, dass mich dieser Gottesdienst, unter anderem wegen der anschließenden gemeinsamen Zeit, mehr angesprochen hat als die meisten gewöhnlichen Sonntagsgottesdienste. Deswegen braucht es meiner Meinung mehr solcher Formate, die für alle Generationen ansprechend sind, damit zusammen gefeiert werden kann.

Ein weiterer Grund für seltene Kirchenbesuche, den ich in meinem Bekanntenkreis wahrnehme, sind Entscheidungen und Ereignisse in der Institution Kirche, mit denen die Menschen nicht einverstanden sind. Und obwohl ich diese Beurteilung nachvollziehen kann, frage ich mich, ob so der eigentliche Sinn der Kirche nicht verloren geht: Gemeinsam zu glauben und füreinander da zu sein.

Andere Prioritäten setzen

Ein Pastor unserer Gemeinde sagte dazu in einer Predigt, dass der Glaube nicht von einer Institution abhänge, sondern von der Gemeinschaft lebe.

Nur weil sich die Kirche als Institution an manchen Stellen Fehltritte erlaubt, sollte das keine negativen Auswirkungen auf die Gemeinschaft vor Ort haben. Auch Kirchenmitglieder können Entscheidungen oder Ereignisse in der Kirche kritisch beurteilen und einfach andere Prioritäten setzen – zum Beispiel auf das Gemeindeleben, in dem Glaube, Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung im Mittelpunkt stehen.

Distanz zur Weltkirche

Demnach ist es wichtig, dass (m)eine Gemeinde sich öffentlich in bestimmten Fällen von der Weltkirche distanziert und gegensätzliche Aktionen organisiert, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhöhen.

Ich wünsche mir eine Kirche, die ihre großartige Botschaft so verbreitet, dass alle sich angesprochen fühlen und auf die tollen Angebote neugierig gemacht werden.

„Niemand soll dich wegen deiner Jugend geringschätzen!“, ermutigt der 1. Timotheusbrief (4,12) seinen Empfänger Timotheus. Und in der 1.500 Jahre alten Benediktsregel rät der heilige Benedikt, bei wichtigen Dingen alle Brüder anzuhören, „weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist“ (RB 3,3). Darum kommen in unserer Rubrik „Der junge Kommentar“ ausdrücklich Autor:innen unter 30 Jahren mit ihrer persönlichen Meinung zu einem selbst gewählten Thema zu Wort. Sie sind ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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