Publikation der Päpstlichen Akademie für das Leben

Kirche legt Empfehlungen zur Begleitung Sterbender vor

Die Päpstliche Akademie für das Leben hat ein sogenanntes Weißbuch zur ganzheitlichen Begleitung am Lebensende veröffentlicht. Akademiepräsident Erzbischof Vincenzo Paglia warb am Donnerstag bei der Vorstellung des „PAL-LIFE-Weißbuches“ in Berlin für eine globale Verbreitung der Palliativversorgung. Diesem Anliegen solle das Werk dienen. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode als Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz betonte die christliche Hoffnung auf die Auferstehung als Teil der spirituellen Begleitung durch die Kirche.

Nach Bodes Worten ist es vorrangiges Anliegen der Kirche, „dass Menschen in Würde sterben können“. Dabei beklagte er, dass es derzeit ein Wiederaufflammen der Debatte um den Paragrafen 217 im Strafgesetzbuch gebe, wobei „die Selbsttötung als ein Grundrecht und die Beihilfe dazu als eine allgemein verfügbare Dienstleistung angesehen werden. Wenn so die Unantastbarkeit der Menschenwürde aufgegeben wird, betonen wir mit Nachdruck, was für uns ein Sterben in Würde bedeutet und wie wir es ermöglichen wollen“, so der Bischof.

Praxisnahe Orientierung für Gesundheitsinstitutionen

Auch der Vorsitzende der Deutschen Palliativstiftung, Thomas Sitte, wies Forderungen nach einer Aufweichung des Paragrafen 217 zurück. Es sei „grundfalsch“, dass Palliativmediziner nicht mehr angstfrei vor juristischer Verfolgung Sterbende begleiten könnten. Kein Patient müsse in Deutschland am Lebensende unerträglich leiden.

In dem Weißbuch bieten Experten einen Überblick zum Thema Palliativversorgung. Es soll Gesundheitsinstitutionen praxisnahe Orientierung ermöglichen. Sitte sprach von einer „Checkliste“ für grundlegende Strategien, um die Lage leidender Patienten und ihrer Familien zu verbessern. So wende sich etwa die Empfehlung, dass stets Morphin zur Leidenslinderung zur Verfügung stehen sollte, an Gesetzgeber und Apotheker.

Seelsorge wichtiger Baustein

Bode sagte: „Als Christen sind wir den Patienten nahe und geben sie nicht auf, auch wenn keine Aussicht auf medizinischen Erfolg besteht; wir wollen ihnen bestmögliche Pflege zuteilwerden lassen und ihre Schmerzen lindern, ohne den Tod durch eine Behandlung im Übermaß hinauszuzögern und ohne ihn vorzeitig herbeizuführen.“ Dazu gehöre auch, dem seelischen Leid in all seinen Facetten zu begegnen.

Dabei gewinne das Fachgebiet des „Spiritual Care“ wachsende Bedeutung. Hier wolle die Kirche ihre Erfahrung und ihr Menschenbild einbringen. Bode warb für ein „Entdecken und Wiederentdecken der Sakramente der Kirche am Lebensende“. Sie seien besonderer Ausdruck der Gegenwart Gottes - etwa in der Eucharistie als „Wegzehrung auf dem Weg in die Ewigkeit“. Sie sei „reines Beschenktwerden mit der Liebe Gottes“. Zugleich würdigte Bode den ehrenamtlichen Dienst. Er biete die Chance, den gesellschaftlichen Umgang mit schwerer Krankheit und Sterben positiv zu verändern.