MEDIEN

Protest gegen Pläne der Bischöfe: Chefredakteur in Polen tritt zurück

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Wie frei dürfen kirchliche Medien berichten? Der Chef der katholischen Nachrichtenagentur in Polen wirft nach 32 Jahren hin.

Von KNA

Polens katholische Nachrichtenagentur KAI steht vor dem Aus in ihrer jetzigen Form. Der seit Gründung 1993 als Chefredakteur und Geschäftsführer tätige Journalist Marcin Przeciszewski (66) trat von beiden Ämtern zurück, weil die polnischen Bischöfe beschlossen hätten, die KAI "trotz der formalen Beibehaltung ihres Namens und Logos faktisch zu liquidieren", erklärt er.

Die Bischofskonferenz wolle die KAI in eine eigene neue "Mediengruppe" eingliedern und ihr "die Möglichkeit einer unabhängigen journalistischen Arbeit" nehmen, so Przeciszewski. Ziel des im März von der Vollversammlung gefassten Beschlusses sei "keine redliche Schilderung der religiösen und kirchlichen Realität im Einklang mit den Regeln des journalistischen Handwerks", sondern die Verbreitung von "positiven Informationen" unter Kontrolle der kirchlichen Strukturen.

Wichtige kirchliche Stimme für Medien in Polen

Die Pressestellen der Polnischen Bischofskonferenz und des Erzbistums Warschau antworteten zunächst nicht auf Anfragen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Warschaus Erzbischof Adrian Galbas leitet den Programmrat der KAI.

Diese gehört einer Stiftung der Bischofskonferenz, arbeitet bisher weitgehend autonom und berichtet laufend über kirchliche und gesellschaftliche Entwicklungen im In- und Ausland. In Polen ist sie für Journalisten die führende Informationsquelle zu Kirchenthemen. Abonnenten sind kirchliche und säkulare Medien.

Rückzug wegen der "Professionalität als Journalist"

Przeciszewski erhielt 2018 den Gregoriusorden, die höchste päpstliche Auszeichnungen für Laien. Der scheidende Chefredakteur betont nun, er habe immer versucht, "für das Wohl der Kirche zu arbeiten". Angesichts der von den Bischöfen geplanten Änderungen habe er "keine andere Wahl, als mich im Einklang mit meinem Gewissen und meiner Professionalität als Journalist" zurückzuziehen.

Das bisherige Konzept der Agentur sei für die Kirche von Vorteil, so der KAI-Gründer. Die KAI verbreite den katholischen Standpunkt in öffentlichen Debatten, ohne die Autorität der Bischofskonferenz einzubeziehen. Das Konzept entspreche kirchlichen Vorbildern aus dem Ausland.

Przeciszewski zufolge steckt hinter dem Umstrukturierungsplan der Pressesprecher der Bischofskonferenz, der Jesuit Leszek Gesiak.

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