Kossen: Moralische Pflicht zur Weiterführung von Beratungsstelle

Kirche sucht Arbeitsrechtler für Beratung von Leiharbeitern

Rechtsberatung für osteuropäische Werkvertragsarbeiter im Oldenburger Münsterland hält die katholische Kirche für zwingend notwendig – wer sie künftig übernimmt, ist aber noch unklar. Das zeigte sich bei einem Pressegespräch im Forum St. Andreas in Cloppenburg, zu dem das Bischöflich Münstersche Offizialat eingeladen hatte. Im Forum St. Andreas hatten Leiharbeiter in den vergangenen drei Jahren arbeitsrechtliche Hilfe gefunden.

Im September wurde die Arbeit der Beratungsstelle, die der heute 67-jährige Rechtsanwalt Johannes Brinkhus, seine aus Litauen stammende Frau Audra und weitere Mitarbeiter ehrenamtlich übernommen hatten, wegen Arbeitsüberlastung eingestellt. Brinkhus hatte einige hundert Prozesse geführt und sich so für Leiharbeiter eingesetzt.

„Wenn alle schweigen, ist das wie Mafia“

Prälat Peter Kossen betonte in Cloppenburg: „Ich sehe eine moralische Pflicht der Region, diese Beratungsstelle weiterzuführen.“ Das „Krebsgeschwür der Ausbeutung“ wuchere „von hier aus, und daher muss es auch von hier aus bekämpft werden“, erklärte Kossen, der bis Ende des Monats das Offizialat kommissarisch leitet und 2017 nach Lengerich wechselt.

Audra Brinkhus (Netzwerk „Mida“) und Peter Kossen (von rechts) beim Pressegepräch in Cloppenburg.
Audra Brinkhus (Netzwerk „Mida“) und Peter Kossen (von rechts) beim Pressegepräch in Cloppenburg. | Foto: pd

Der Prälat sieht die Wirtschaft, die Kommunen und auch die Kirchen in der Pflicht: „Wenn alle schweigen, ist das wie Mafia.“ Auch das Netzwerk „Menschenwürde in der Arbeitswelt“ (Mida), ein Zusammenschluss von 16 kirchlichen, partei- oder gewerkschaftsnahen Organisationen und Verbänden, hält den weiteren Kampf gegen die Ausbeutung von Leiharbeitern für notwendig.

Die Suche nach einem Arbeitsrechtler gestaltet sich dem Vernehmen nach schwierig. Viele Juristen haben demnach bereits abgewunken, weil sie die Befürchtung haben, sich durch die Parteinahme für die Leiharbeiter die Finger zu verbrennen. Das Offizialat sieht auch deshalb die Wirtschaft und die Kommunen in der Pflicht, weil diese vom Einsatz der Leiharbeiter profitieren würden, etwa bei der Gewerbesteuer.