IN EIGENER SACHE

80 Jahre Kirche+Leben: Etwas mehr als kein Jubiläum

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Zum 17. März 1946 erschien Kirche+Leben erstmals, gegründet von Kardinal von Galen. Seitdem hat sich viel verändert – für engagierte Christen.

Als Kirche+Leben 1996 das 50-jährige Jubiläum feiern konnte, gab es in allen Regionen des Bistums Münster große Geburtstagsfeiern – mit vielen Leserinnen und Lesern, mit dem Chefredakteur, einem echten Münsterländer Kiepenkerl, mit Musik und Bewirtung und selbstverständlich mit dem Bischof. Und es gab eine 24-seitige Sonderbeilage, ein eigens entworfenes Design und Logo.

Von den 20 Kolleginnen und Kollegen, die sich damals darin mit kurzen Statements samt Bild vorstellen durften, sind heute noch gerade mal vier an Bord. Der Großteil der anderen ist im Ruhestand. Einer der 20, die 1996 mit knappem Zehnzeiler samt eigens von einem Profi-Fotografen aufgenommenem Porträtbild in der Jubiläumsausgabe vorkamen, war ich selbst – als Volontär im fünften Ausbildungsmonat.

Was in 30 Jahren alles passiert ist

Und der hat von seinem Ausbilder Karl-Heinz Riesenbeck gelernt, was der allen Jungspunden für mögliche Themen eintrichterte: „Jubiläen sind 25 Jahre, 50 Jahre, 75 und 100 – alles andere nicht. Merken Sie sich das!“ Darum feiert Kirche+Leben den 80. Geburtstag in diesem Jahr mit kaum mehr als diesem Artikel.

Ein Blick auf die Entwicklung der letzten 30 Jahre lohnt dennoch. Heute ist die Redaktion weniger als halb so groß wie 1996 – und so jung wie lange nicht. Damals mit Abstand und 180.000 wöchentlichen Exemplaren die auflagenstärkste Bistumszeitung Deutschlands, sind die Print-Abonnentenzahlen auf zehn Prozent dieser gewaltigen Zahl geschrumpft. Platz 2 aller Bistumszeitungen hält Münster weiterhin. Entsprach die Zahl der Kirche+Leben-Abos 1996 noch 50 Prozent der Gottesdienstbesucher (letztlich sogar deutlich mehr, weil damals mindestens drei Personen eine Kirchenzeitung lasen), sind es heute noch etwas mehr als 20 Prozent. Allerdings gingen schon 1996 nur 18 Prozent aller Katholiken im Bistum zur Sonntagsmesse, heute um fünf Prozent – ein anteiliger Rückgang um 72 Prozent.

Großer Erfolg für Kirche-und-Leben.de

Für den massiven Verlust der gedruckten Zeitung, mit dem nahezu alle regionalen Verlage zu kämpfen haben, gibt es viele Gründe. Bei Kirche+Leben ist der Hauptgrund für Abo-Kündigungen der Tod des Abonnenten, gefolgt von hohem Alter und niedriger Sehkraft. Mit Abstand folgt der „kleine Kirchenaustritt“ wegen Unzufriedenheit mit der Kirche im Allgemeinen, das Abstrafen der Bistumsleitung mittels Bistumszeitung für Strukturveränderungen und andere Verärgerungen. Mitunter ist auch das redaktionelle Angebot Anlass zur Kündigung, wobei in den meisten Fällen der Bote für die Botschaft gescholten wird.

Nicht zuletzt spielt die gewandelte Mediennutzung eine große Rolle – auch das eher ältere Kirchenpublikum ist digital unterwegs. Dank der Tatsache, dass Kirche+Leben schon 2002 den Startschuss für ein tagesaktuelles Online-Magazin gab, ist Münsters Bistumszeitung die einzige in Deutschland mit derartiger journalistischer Digital-Expertise. Und das mit wachsendem Erfolg: 2025 konnte Kirche-und-Leben.de seine Reichweite um mehr als 40 Prozent steigern.

Wen Kirche+Leben erreicht

So schmal die Redaktion im Vergleich zu 1996 heute aufgestellt ist: Sie produziert neben der wöchentlich gedruckten, auch als E-Paper attraktiven Zeitung jeden Tag das aktuelle Onlinemagazin, einen abendlichen Newsletter, eine Tageszusammenfassung via WhatsApp, zudem diverse Posts und Videos auf den Social-Media-Kanälen Facebook und Instagram.

Über all diese digitalen Ausspielkanäle erreicht Kirche+Leben täglich ein um 25 bis 30 Jahre jüngeres Publikum als jede andere Kirchenzeitung. Und so sehr sich Kirche+Leben dem Bistum Münster und seinen Menschen verpflichtet weiß – das Onlineportal hat sich in den letzten Jahren auch weit über die diözesanen Grenzen hinaus zu einem wegen seiner journalistischen, kirchenpolitischen und theologischen Expertise renommierten Medium entwickelt, dem vertraut wird. Dass zuletzt 25 Prozent aller jungen Leute, die sich bundesweit über die katholische Journalistenschule ifp um ein Volontariat beworben haben, dies gern bei Kirche+Leben absolvieren wollten, freut uns daher umso mehr.

Der Erfolg verdankt sich einem Team exzellent ausgebildeter und trotz aller Krisen hochmotivierter Journalisten. Er verdankt sich besonders Herausgebern, die den Wert einer eigenen professionellen, kritisch-loyalen Kirchenpresse hochhalten. Das verdankt sich vor allem einem Publikum, das profund informiert sein will, um als Teil des Volkes Gottes Kirche und Gesellschaft verantwortet mitzugestalten. Diesem Anspruch engagierter Christen weiß sich Kirche+Leben auch weiterhin verpflichtet – gelegen oder ungelegen, und auch insofern dem Gründer verbunden, dem seligen Kardinal Clemens August von Galen.

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