Bischofskonferenz will Arbeitshilfe veröffentlichen

Kirche und Rechtspopulisten – ein schwieriges Verhältnis

Der Umgang mit dem Rechtspopulismus hat sich zu einer Gretchenfrage für die Kirchen entwickelt – nicht nur auf Kirchen- und Katholikentagen. Ein Grundproblem ist das janusköpfige Auftreten der neuen Rechten, denn die AfD und ihr Umfeld sind nicht einheitlich. Da gibt es Wertkonservative, die sich auch auf christliche Positionen berufen, bis hin zu Leuten, die mit Rechtsextremisten und Antisemiten paktieren.

Die Deutsche Bischofskonferenz will am Dienstag eine „Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen“ vorstellen. Sie soll Gemeinden und kirchlichen Gruppen helfen, „sich mit Fragen des Populismus auseinanderzusetzen, vor allem mit rechtspopulistischen Tendenzen, die derzeit in Deutschland und Europa eine besondere Herausforderung darstellen“, wie es in der Einladung heißt. Die Expertise haben Arbeitsgruppen der Migrationskommission und der Pastoralkommission der Bischofskonferenz sowie der Deutschen Kommission Justitia et Pax und weitere Fachleute zusammengetragen.

Gemeinsamkeit und Problematisches

Die auf der Internet-Seite der „Christen in der AfD“ vertretenen Ansichten mögen nicht progressiv seien, Konservative dürften aber vieles teilen: Das Christentum als Fundament von Staat und Gesellschaft, das Eintreten gegen PID, Abtreibung oder aktive Sterbehilfe und für das traditionelle Ehe- und Familienbild, den konfessionellen Religionsunterricht oder verfolgte Christen.

Schwieriger wird es im Verhältnis zum Islam und vollends problematisch beim Umgang mit Flüchtlingen. Wenn etwa die AfD-Bundestags-Fraktionsvize Beatrix von Storch Italiens Innenminister Matteo Salvini für dessen „Politik der geschlossenen Häfen“ gegen Migranten aus Afrika den Friedensnobelpreis zuerkennen will, empfinden das viele als zynisch.

Was unannehmbar für die Kirchen ist

Vor allem aber ist die „nationalistische und völkische Grundierung“ des Grundsatzprogramms der AfD für die Kirchen unannehmbar. Das Eintreten der Rechtspopulisten für christliche Werte wird damit in der Substanz untergraben - wie es eine Studie des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften der Uni Münster herausarbeitete. Hinzu kommt der Studie zufolge die fehlende Distanzierung gegenüber rechtsextremistischen Tendenzen, Aussagen und Akteuren.

Für die Kirchen bleibt der Umgang mit Rechtspopulisten schwierig. Auch weil ein Teil ihrer Mitglieder mehr oder weniger offen mit AfD-nahen Positionen in der Zuwanderungsfrage oder in Fragen der inneren Sicherheit sympathisieren. Zwar wählen regelmäßige Kirchgänger seltener AfD als die Durchschnittsdeutschen, doch auch in den meisten Gemeinden müssen die Pfarrer inzwischen mit mindestens fünf Prozent AfD-Sympathisanten rechnen.