St. Christophorus ist seit 2018 eine Kulturkirche

Kirche wird zum Kinosaal in Ladbergen

  • Weniger Gläubige, weniger Gottesdienste: In Ladbergen hat sich die Gemeinde für einen ungewöhnlichen Weg entschieden.
  • Seit 2018 ist das Gotteshaus, das vor 40 Jahren geweiht wurde, eine Kulturkirche.
  • Ein achtköpfiges Team erstellt regelmäßig ein Programm mit Lesungen, Konzerten und Filmen – auch in Corona-Zeiten.
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Harfenmusik, Lesungen oder Ausstellungen: Die Kulturkirche St. Christophorus Ladbergen hat sich seit ihrer Gründung 2018 im Tecklenburger Land und darüber hinaus einen Namen gemacht. Doch die Corona-Beschränkungen stellt die Organisatoren vor Herausforderungen.

Statt 300 Besuchern bietet die Kirche derzeit gerade mal 40 Personen Platz: „Da mussten wir reagieren“, sagt Alexander Fenker. Gemeinsam mit sieben Mitstreitern setzt er sich für Kultur in der Kirche ein. Geplant sind drei Filmabende „Klassiker der Moderne“ im Frühjahr: „Ob wir sie tatsächlich zeigen können, müssen wir abwarten. Wir hangeln uns von Monat zu Monat. Das erscheint uns unter den sich jeweils anzupassenden Hygienemaßnahmen am sichersten.“

Projekt der Großpfarrei

„Wir hatten lange im Kopf, dieses Projekt zu initiieren. Der Pastoralplan hat den Ausschlag gegeben“, beschreibt Fenker die Anfänge. Ganz neu ist der Ansatz nicht, Konzerte hätten in dem Holzbau immer schon stattgefunden.

Wichtig ist ihm zu betonen, dass die „Kulturkirche“ kein Ladberger Projekt, sondern eine Gesamt-Initiative der fusionierten Gemeinde Seliger Niels Stensen Lengerich sei. „Wer noch mitmachen möchte, kann sich auch spontan direkt nach dem Gottesdienst bei Pater Hans-Michael Hürter oder bei mir melden“, sagt Alexander Fenker.

Kirchenaffine Veranstaltungen

Das Konzept ist klar: „Es sind kirchenaffine Veranstaltungen. Wir machen keine Comedy. Die Kulturkirche nutzt den Raum, aber zu den Zeiten, in denen kein Gottesdienst stattfindet“, erklärt der Mitorganisator. Das Angebot wolle er auch nicht als Konkurrenz zur „Kulturbühne Ladbergen“ des rund 7.000 Einwohner großen Dorfes verstanden wissen: „Vom Angebot ergänzen wir uns gut“, findet der Ehrenamtliche, der mittlerweile mit seiner Frau in Tecklenburg lebt.

Für Kultur mit „Jesuskurve“ eignet sich das Ladberger „Zelt Gottes“, wie der Backsteinbau mit spitz zulaufendem Holzdach auch genannt wird, akustisch und von der Raumaufteilung sehr gut. „Selbst wenn man hinten sitzt, sitzt man bei uns noch in der ersten Reihe“, sagt Andreas Fenker mit einem Schmunzeln in der Stimme.

„Kulturkirche für Suchende“

Von 1961 bis 1980 stand an der Stelle des heutigen Gotteshauses noch eine der wenigen schlesischen Notkirchen im Münsterland. Diese wich 1980 dem Bau aus der Hand des Dorstener Architekten Manfred Ludes. „Die Zeitform thematisiert die Wanderschaft, aber auch die Geborgenheit des Volkes Gottes in der Kirche“, fasst Fenker zusammen.

So fügt sich das Angebot einer „Kulturkirche für Suchende“ in dieses Bild ein: „Wir möchten mit unseren Veranstaltungen auch die Hemmschwelle senken, Kirchenraum als solchen zu betreten.“

„Kundenstamm“ wird mit „Kulturhäppchen“ versorgt

Um auch in Corona-Zeiten Kontakt mit dem mittlerweile aufgebauten „Kundenstamm“ zu halten, verschickt die Gruppe einmal im Monat ein „Kulturhäppchen“. Darin enthalten sind Links zu Videos oder weitere Texte „mit Tiefgang“, wie Fenker betont.

Von den kurzen Impulsen, die auf den Handys kursierten, wolle man sich bewusst absetzten. Zuletzt gab es einen Text „Über das Loslassen“, der sich mit dem Abschiednehmen beschäftigt, „nicht nur von Verstorbenen, sondern auch von Lebenden“.

Einmischen in Debatten

Mit den kulturellen Angeboten will sich die Initiative auch in gesellschaftliche Debatten einbringen, auch angeregt durch das Leitwort der Gemeinde für das laufende Kirchenjahr: „Seid wachsam, schaut hin!” So soll zunächst der Film „Emmas Glück“ gezeigt werden. Das Werk beschäftigt sich mit Sterbehilfe: Ein Mann verunglückt mit seinem Auto und wird von Emma aufgenommen. Sie versorgt eine kleine Landwirtschaft und pflegt dann auch ihren „Findling” bis zum bitteren Ende.

„Ein Film mit komödiantischen Elementen, ganz viel Tränen und ganz viel Liebe. Am Ende steht Beihilfe zum Suizid und die Frage: Darf man das?“, fasst Fenker zusammen. Klar ist, dass man nach so einem Film nicht einfach nach Hause gehen möchte: „Insofern hatten wir vor Corona auch immer die Möglichkeit, direkt nebenan im Gemeindehaus ein geselliges Beisammensein zu organisieren. Man konnte sich über das Erlebte austauschen, das ist unseren Besuchern wichtig.“

Musikschule ist Kooperationspartner

Zum Teil würden auch Familien mit erwachsenen Kindern das Angebot nutzen. Die Musikschule Tecklenburger Land ist Kooperationspartner. Zuletzt wurde in einer Ausstellung Werke der in Dorsten und Ladbergen bekannten Künstlerin Gisela Paul (1941-2014) gezeigt. Und noch ein Zeichen, dass die Kulturkirche wirklich allen offen steht: Der Eintritt ist immer kostenlos.

Die St. Christophorus Kirche Ladbergen ist auch auf dem ökumenischen Tourenplan „Kirchwege – Kirchräume“ aufgeführt. Weitere Ausflugsziele sind dort vermerkt.

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