Papst Franziskus verurteilt Anschlag in Instanbul

Kirchen rufen für 2017 zu Zusammenhalt auf

Zum Neujahstag haben der Papst und Kirchenvertreter in Deutschland zum Zusammenhalt aufgerufen. Franziskus verurteilte zudem den Anschlag auf einen Nachtclub in Istanbul, bei dem in der Silvesternacht mindestens 39 Menschen getötet wurden.

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Papst Franziskus hat in seiner Neujahrspredigt dazu aufgerufen, „gemeinschaftliche Orte zu schaffen und zu pflegen“ und das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Verwurzelung zu stärken. In einer zersplitterten und gespaltene Kultur nehme ein „Gefühl der Verwaisung und folglich der großen Leere und Einsamkeit“ zu, sagte er.

Auch Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland haben die Menschen zum Zusammenhalt aufgerufen. Zugleich zeigten sie sich besorgt über einen zunehmend rauen Ton in öffentlichen Debatten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ermutigte in seiner Jahresschlusspredigt die Christen dazu, sich für ein „gutes Miteinander in unserem Gemeinwesen einzusetzen“. Das gelte auch mit Blick auf die Bundestagswahlen im Herbst, hob der Münchner Erzbischof hervor.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, rief in seiner Botschaft zum Jahreswechsel zu Zuversicht auf. Angst sei immer ein schlechter Ratgeber, so der bayerische Landesbischof. „Sie verengt den Blick und auch das Herz, macht mutlos und lässt resigniert die Hände sinken.“

 

Woelki: Bewusstsein für Gewalt ist verändert

 

In Köln erinnerte Kardinal Rainer Maria Woelki an die Ereignisse der Silvesternacht vor einem Jahr, als es vor allem auf der Domplatte und um den Hauptbahnhof herum zu zahlreichen sexuellen Übergriffen gegen Frauen kam. Die Täter waren vornehmlich junge Männer aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum.

Woelki bezeichnete die Geschehnisse als „Katastrophe“. Vieles habe sich seither verändert. „Das Bewusstsein, wie verletzlich die Würde des Menschen, sein Leib und das Leben sind, das Bewusstsein, wie gewalttätig Sexismus ist und wie gefährdet Frauen mitten unter uns sind, ist auf erschreckende Weise geschärft.“

 

Genn: „Vor wem sollten wir Angst haben?“

 

Münsters Bischof Felix Genn wandte sich gegen eine Furcht vor Überfremdung. Die Menschen in Deutschland brauchten „gar keine Angst vor einer Islamisierung zu haben“. Denn das Wort Gottes habe in Jesus die Macht des Todes überwunden und ewiges Leben ermöglicht. „Vor wem sollten wir eigentlich Angst haben?“, fragte der Bischof. Dennoch seien solche Befürchtungen in Deutschland vorhanden, sagte Genn laut Redemanuskript. Dabei gehe es nicht um die Angst vor einem möglichen Krieg, sondern um „die Angst vor Terror und Gewalt“. Sie schüre Misstrauen gegenüber den Fremden, die nach Deutschland gekommen seien.

 

Koch: Neue Wertedebatte

 

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker plädierte für mehr Dialog untereinander. Die Sprachlosigkeit im zwischenmenschlichen Bereich sei ein Grundübel. „Worte werden missbraucht und trennen.“ Der echte Dialog drohe auf allen Ebenen zu sterben.

Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger rief die Menschen auf, sich nicht „vom Strudel populistischer Strömungen“ in den Abgrund ziehen zu lassen. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch regte in einem kurz vor Silvester veröffentlichten Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) eine neue Wertedebatte an. Entsprechende Fragen seien „über viele Jahre völlig vernachlässigt worden nach dem Motto: Alles ist denkbar, alles ist möglich“.


Papst verurteilt Anschlag auf Istanbuler Nachtclub
Papst Franziskus hat den Anschlag auf einen Nachtclub in Istanbul in der Silvesternacht mit Dutzenden Toten verurteilte. „Leider hat die Gewalt auch in der Nacht der Glückwünsche und Hoffnungen zugeschlagen, mit einem schweren Attentat in Istanbul“, sagte Franziskus am Neujahrstag beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz. „Ich bitte Gott um die Unterstützung aller Menschen guten Willens, die mutig die Ärmel hochkrempeln, um das Krebsgeschwür des Terrorismus anzugehen.“ Dieser „Blutfleck“ verdecke die Welt mit einem „Schatten aus Angst und Fassungslosigkeit“, so Franziskus. Er werde für die Toten und Verletzten sowie für ihre Angehörigen und das ganze türkische Volk beten.
Bei dem Angriff auf die Silvesterfeier in einem der größten Nachtclubs von Istanbul waren mindestens 39 Menschen getötet worden. Etwa 70 Verletzte wurden laut türkischen Medienberichten in Krankenhäuser gebracht. Dem Angreifer oder den Angreifern sei die Flucht gelungen; die Fahndung laufe. Die Behörden gingen von einem Terrorangriff aus.

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