Was Bischöfe zum Jahreswechsel in Deutschland gepredigt haben

Kirchen wenden sich zum neuen Jahr gegen Engstirnigkeit

Zum Jahreswechsel haben führende Vertreter der großen Kirchen in Deutschland zu Offenheit und Engagement, aber auch zum Widerstand gegen bedrohliche gesellschaftliche Tendenzen aufgerufen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, rief die Christen dazu auf, mitzuhelfen, Europa zu einem Projekt des Friedens und zu einem Beispiel für die Versöhnung der Völker zu machen.

Auch wenn es darauf keine leichten Antworten gebe, dürfe das Projekt Europa nicht zerstört werden, sagte Marx in seiner Silvesterpredigt im Münchner Liebfrauendom. Vielmehr müsse es weitergeführt werden. Er erinnerte auch daran, dass sich 2018 das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal jährt: „Dieser schreckliche Krieg, indem Christen gegen Christen kämpften.“

200. Geburtstag von Marx' Namensvetter

Auch auf den 200. Geburtstag von Karl Marx - „meinem Namensvetter“ - im Jahr 2018 nahm der Kardinal Bezug. Karl Marx habe gesehen, was passiert, wenn sich die Wirtschaft gegen den Menschen richte. Die Wirtschaft und die Arbeit hätten dem Menschen zu dienen und nicht umgekehrt, mahnte der Kardinal und verwies auf die Worte von Papst Franziskus.

Nicht nur auf den Profit gelte es zu schauen, sondern auf das Wohl aller. Die Kirche, aber nicht nur der Bischof, sollte sich in diese Debatte einmischen, damit nicht die alten Dämonen des Marxismus wiederkehrten mit der Behauptung, sie hätten Antworten.

Bode beklagt „neue Kleinkariertheit“

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode beklagte eine „neue Kleinkariertheit“. Es gebe „eine starke und gefährliche Tendenz, wieder engstirniger zu denken – nationalistisch, regionalistisch, individualistisch, ideologisch“, sagte er in seiner Silvesterpredigt.

Diese Entwicklung zeige sich etwa in der „neuen Unfähigkeit vieler Europäer, Europa zu bilden und in den globalen Fragen der Welt wie Migration und Klimawandel zu solidarischem und vernetztem Handeln zu kommen“. Eine immer komplexer werdende Welt führe auch in Religionen und Kirche zu „neuen Egoismen, Narzissmen, ja zu gewaltbereiter Intoleranz“, sagte der Bischof laut Redemanuskript.

Woelki warnt vor Aufweichung des Abtreibungsverbots

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki warnte vor Eingriffen in das menschliche Erbgut und vor einer Aufweichung des Abtreibungsverbotes. Es dürfe kein Leben nach dem Baukasten-Prinzip geben, sagte Woelki laut Redetext am Sonntag im Kölner Dom. „Menschen mit Krankheiten und Behinderungen – auch mit erblichen – gehören zum Leben und ins Leben, gehören in unsere Gesellschaft.“ Woelki verwies auf aktuelle Versuche von Gen-Technikern, Teile der DNA-Stränge auszutauschen. „Wir können uns an den Möglichkeiten verheben, die wir uns erschließen und tun dies auch.“ Die Folgen von Genmanipulation für Gesundheit und Umwelt seien kaum abzuschätzen.

Bedford-Strohm wirbt für Frömmigkeit

Der Münsteraner Bischof Felix Genn plädierte für mehr Engagement für Frieden und Versöhnung. „Es muss Frieden geben, weil sonst unsere Erde zerstört wird,“ sagte er mit Blick auf Konflikte wie in Syrien, aber auch auf das alltägliche Leben in Deutschland. Friede entstehe vor Ort, in den Gruppen und Kreisen, in den Familien und in einem selbst, sagte Genn. Er verwies darauf, dass der 101. Deutsche Katholikentag vom 9. bis 13. Mai in Münster das Thema Frieden in den Fokus stellt.

Der evangelische bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, warb für eine „Neuentdeckung der Frömmigkeit“. Denn echte Lebensquellen basierten nicht auf guten Ratschlägen oder ausgeklügelten Strategien zum positiven Denken, sagte Bedford-Stroh in einer Botschaft zum Jahresbeginn. „Echte Lebensquellen kommen von dem, der uns geschaffen hat.“