Felix Genn zum Fall Pottbäcker: Ausmaß der Pädophilie wurde nicht erkannt

Kirchenaustritt nach Missbrauch – Münsters Bischof hat Verständnis

Bischof Felix Genn kann nachvollziehen, wenn Katholiken wegen des Missbrauchsskandals aus der Kirche austreten wollen. „Ich kann die Leute völlig verstehen, die sagen: Jetzt ist Schluss mit diesem Laden“, bekannte Genn im WDR-Fernsehen. Gleichwohl bitte er darum, in der Kirche zu bleiben.

„Ein Rätsel“ ist für den Bischof, dass der 2007 verstorbene Münsteraner Bistumspriester Heinz Pottbäcker auch nach einer Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern mehrfach versetzt wurde. Dem WDR sagte Genn: „Wenn ich es zu verstehen suche, dann kann ich mir das nur so vorstellen, dass die gesagt haben: Der hat seine Strafe abgebüßt wie jeder andere Täter auch. Jetzt kann er wieder resozialisiert werden.“ Daran könne man jedoch erkennen, dass das Ausmaß des „Phänomens Pädophilie überhaupt nicht erkannt worden ist“.

Der Fall Pottbäcker

Vier Jahre nach seiner Priesterweihe hatte das Landgericht Bochum Heinz Pottbäcker 1968 wegen „Unzucht mit einem Kind“ zu neun Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Trotzdem wurde er 1971 vom damaligen Generalvikar und späteren Bischof Reinhard Lettmann nach Rhede versetzt.

Weil der pädophile Geistliche sich nicht an die Auflage hielt, sich von Minderjährigen fern zu halten, wurde er in der Folge mehrfach versetzt – auch als Religionslehrer an eine Schule. Erst mit 58 Jahren wurde er 1995 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. 2007 starb der Geistliche.