Auch wenn die Bistümer ihre Austrittszahlen für 2024 erst im Sommer vorlegen: Eine Kirche+Leben-Stichprobe zeigt einen Trend für das Bistum Münster.
Offizielle Kirchenaustritts-Zahlen veröffentlichen die deutschen Bistümer erst im Sommer, eine Kirche+Leben-Stichprobe lässt aber erkennen: Die Zahl im Bistum Münster dürfte 2024 im zweiten Jahr in Folge gesunken sein.
Kirche+Leben-Recherchen in Pfarreien im nordrhein-westfälischen Bistumsteil ergaben überall niedrigere Austrittszahlen. Einige Gemeinden weisen aber darauf hin, in den ersten Jahreswochen seien noch Nachmeldungen möglich.
Austritts-Stichprobe: Zahlen im Überblick
St. Mauritz Münster
470 Austritte 2024, Vorjahr 685, zwei Jahre zuvor 897
St. Laurentius Warendorf
143 Austritte 2024, Vorjahr 217, zwei Jahre zuvor 330
St. Martin Nottuln (Kreis Coesfeld)
125 Austritte 2024, Vorjahr 160, zwei Jahre zuvor 254
St. Peter und Paul Voerde (Kreis Wesel)
119 Austritte 2024, Vorjahr 165
St. Heinrich Reken (Kreis Borken)
113 Austritte 2024, Vorjahr 149, zwei Jahre zuvor 160
St. Martin Raesfeld (Kreis Borken)
84 Austritte 2024, Vorjahr 137, zwei Jahre zuvor 202
St. Georg Heiden (Kreis Borken)
68 Austritte 2024, Vorjahr 98, zwei Jahre zuvor 93
Christus König Borken-Gemen
49 Austritte 2024, Vorjahr 95, zwei Jahre zuvor 64
St. Johannes der Täufer Bottrop-Kirchhellen
146 Austritte 2024, Vorjahr 194
St. Georg Hopsten (Kreis Steinfurt)
23 Austritte 2024, Vorjahr 29
St. Peter und Paul Hopsten-Halverde
9 Austritte 2024, Vorjahr 14
Austritte müssen beim örtlich zuständigen Amtsgericht erklärt werden, sie werden dann den Pfarreien mitgeteilt. Für Münster bestätigt das Gericht den rückläufigen Trend: 2024 hätten 4.165 Menschen die Kirche verlassen, darunter 2.666 Katholiken, teilt ein Sprecher des Amtsgerichts auf Kirche+Leben-Anfrage mit. 2023 hatte es bereits bis Ende November 5.379 Kirchenaustritte gegeben, darunter 3.649 katholische Christen. Im gesamten Jahr 2022 hatten 6.869 Münsteraner die Kirchen verlassen, davon 5.105 Katholiken.
Pfarrer: „Jeder Austritt schmerzt“
Andreas Lüke, Pfarrer in Borken-Gemen, sagt zu Kirche+Leben: „Auch wenn die Zahlen zurückgegangen sind, schmerzt doch jeder Austritt.“ Wer die Kirche verlasse, werde von ihm persönlich angeschrieben und auch nach Gründen gefragt: „Resonanz gibt es allerdings kaum.“
In den vergangenen Jahren hatten Pfarrer auf Nachfrage mehrfach gesagt, falls Ausgetretene überhaupt Gründe angäben, dann nur sehr selten aus dem Gemeindeleben. Entscheidend gewesen seien eher Entwicklungen auf höheren kirchlichen Ebenen.
Hochrechnung für das ganze Bistum Münster
In mehreren befragten Pfarreien liegt die Zahl der Kirchenaustritte 2024 etwa halb so hoch wie im bistums- und bundesweiten Rekordjahr 2022. Damals hatten im Bistum Münster 37.907 Katholiken die Kirche verlassen. Sollte die Entwicklung flächendeckend wie in den Orten der Stichprobe verlaufen, könnte die Gesamtzahl der Austritte im Bistum Münster 2024 im Umfeld von 20.000 liegen.
Bewahrheitet sich das, wäre in etwa wieder das Niveau des Corona-Jahrs 2021 erreicht. Unter 10.000 lag die Austrittszahl im Bistum Münster zuletzt 2017. Im Jahr 2023 hatten 29.755 katholische Christen die Gemeinden im Bistum verlassen.