Statistik für 2018 im Bundesgebiet und im Bistum Münster

Kirchenaustritte steigen um fast 30 Prozent in Deutschland

Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche in Deutschland ist 2018 deutlich gestiegen. 216.078 Katholiken verließen im vergangenen Jahr ihre Kirche, wie die Deutsche Bischofskonferenz mitteilte. Das sind rund 29 Prozent mehr als im Vorjahr (167.504) und etwa 0,9 Prozent aller Katholiken im Land.

31,5 Prozent mehr Austritte im Bistum Münster

Im Bistum Münster verließen im vergangenen Jahr 11.442 Katholiken die Kirche - das sind 31,5 Prozent mehr als 2017 (8.696). Die aktuelle Katholikenzahl im Bistum lag nach Auskunft der Bischöflichen Pressestelle bei 1,85 Millionen, da sind rund 20.000 weniger als ein Jahr zuvor. Münster ist demnach hinter dem Erzbistum Köln das zweitgrößte Bistum in Deutschland.

Einen deutlichen Rückgang gab es im vergangenen Jahr im Bistum Münster auch bei den Menschen, die sonntags an der Messe teilnehmen. 2018 waren es 149.731 Katholiken (8,1 Prozent) und damit 17.161 weniger als im Vorjahr. Rückgänge gab es auch bei Firmungen (2018: 12.189; 2017: 13.006) und Erstkommunionen (2018: 14.713; 2017: 15.436). Leicht gestiegen ist im Vergleich zum Vorjahr mit 3.682 die Zahl der kirchlichen Trauungen (plus 35) und die der Bestattungen mit 20.517 (plus 519).

45 Prozent mehr Austritte in Borken

369 Personen, die die Kirche früher einmal verlassen hatten, traten im Bistum Münster im vergangenen Jahr wieder in die katholische Kirche ein, hinzu kamen 210 Eintritte aus anderen christlichen Konfessionen. 14.565 Menschen sind 2018 durch die Taufe neu in die Kirche aufgenommen worden, 131 mehr als 2017.

Die größte Steigerung bei den Austrittszahlen verzeichnet das Kreisdekanat Borken. Dort haben im vergangenen Jahr 1.294 Menschen ihren Austritt erklärt - ein Plus von 45 Prozent im Vergleich zu 2017. Im Kreisdekanat Kleve gab es 2018 insgesamt 953 Austritte (+ 44,4 Prozent), im Kreisdekanat Steinfurt 1.440 (+42 Prozent). Der geringste Anstieg bei den Austritten war 2018 im Kreisdekanat Recklinghausen mit 1.179 (+ 10,8 Prozent) und im Kreisdekanat Wesel mit 1.403 (+ 18 Prozent) Austritten.

Genn: Wir haben an Relevanz verloren

„Die Zahlen lassen sich nicht schönreden", sagte Bischof Felix Genn in einer von der Bischöflichen Pressestelle verbreiteten Stellungnahme. "Die Menschen stimmen mit den Füßen darüber ab, ob sie uns für glaubwürdig und vertrauensvoll halten und ob die Gemeinschaft in der katholischen Kirche ihnen grundsätzlich als notwendig für ein gutes und gelingendes Leben erscheint. Für viele gilt das leider nicht mehr. Wir haben an Relevanz für das Leben der Menschen verloren."

Als einen Grund für die Austritte nannte Genn den Missbrauchsskandal: "Die Verbrechen, die Priester an Kinder und Jugendlichen begangen haben, können wir nicht ungeschehen machen. Wir können nur alles in unserer Macht Stehende tun, um die Vergangenheit schonungslos aufzuarbeiten und um Betroffene erfahren zu lassen, dass sie im Mittelpunkt der Aufarbeitung stehen."

Die Austrittszahlen zeigen nach Ansicht von Genn aber auch: "Wenn wir nicht schon sehr bald nur noch eine kleine Minderheit sein wollen, bleiben große Herausforderungen, denen wir uns beherzt stellen wollen. Nicht, um einfach dem Zeitgeist hinterherzulaufen, sondern um Kirche in der Zeit und mit den Menschen zu sein." Das Bistum Münster wolle eine offene, lernfähige und auch demütige Kirche sein, die das Leben bereichert und den Menschen dient. "Das muss uns besser gelingen als in der Vergangenheit", sagte Genn.

Entwicklung der Austritte in Deutschland

In den vergangenen drei Jahren hatten die Austrittszahlen in Deutschland zwischen 160.000 und 180.000 gelegen. 2014 erreichten sie nach dem Skandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst den bisherigen Höchststand von 217.716. Über die Gründe liegen keine Statistiken vor. Befragungen von Standesämtern in den vergangenen Monaten legen aber auch einen Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal nahe.

Die meisten Austritte 2018 verzeichnete das Erzbistum München-Freising mit 22.580, gefolgt vom Erzbistum Köln mit 18.472 und dem Erzbistum Freiburg mit 18.031. Das Bistum Münster liegt auf Platz sechs.

Bester Kirchenbesuch im Osten

Den besten Kirchenbesuch verzeichnet das Bistum Görlitz mit einer Quote von 16,8 Prozent, gefolgt von Dresden-Meißen mit 15 Prozent. Den geringsten Anteil an Gottesdienstteilnehmern gibt es mit 7,2 Prozent im Bistum Trier, gefolgt vom Bistum Aachen mit 7,3 Prozent und Speyer mit 7,4 Prozent.

Insgesamt gehören damit knapp über 23 Millionen Bundesbürger der katholischen Kirche an, während es 2017 noch 23,31 Millionen waren. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung sank von 28,2 Prozent im Jahr 2017 auf 27,7 Prozent.

Austritte bei der evangelischen Kirche

Den evangelischen Kirchen gehören 21,14 Millionen Mitglieder an (25,4 Prozent). Auch bei den Protestanten ist die Zahl der Kirchenaustritte deutlich angestiegen. Rund 220.000 Menschen kehrten im vergangenen Jahr der evangelischen Kirche den Rücken. Damit lag die Zahl der Kirchenaustritte 2018 rund 11,6 Prozent über dem Vorjahr, wie die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Freitag in Hannover mitteilte.