Landwirtschaft

Kirchenland in Bauernhand

Von steigenden Pachtpreisen für Weideland und Äcker profitiert die Kirche als Grundbesitzer. Aber wie sollen Gemeinden ihr Land gerecht und sinnvoll verteilen? Im oldenburgischen Bistumsteil gibt es dafür Empfehlungen.

Die Frage lautet: Wer bekommt das Pachtland von Sankt Hubertus? Vielleicht der Landwirt, der schon seit Jahrzehnten dort sein Getreide anbaut, der immer pünktlich die Pacht überwiesen hat, mit dem es nie Probleme gab? Oder diesmal vielleicht doch mal ein anderer?

Und zu welchem Preis? Zum Vorzugspreis, weil die Gemeinde weiß, in welch schwieriger Lage manche Landwirte stecken? Oder getreu dem Motto: Den Zuschlag bekommt der Meistbietende. Egal, wer er ist – egal, was er anbaut – egal, woher er kommt?

Es geht dabei derzeit um ziemlich „goldenen“ Boden. Das zeigt der Blick auf die Preisentwicklung für Weide- und Ackerland. In Niedersachsen sticht da besonders der Offizialatsbezirk Oldenburg hervor.

Erlöse werden abgezogen
Reicher als andere wird eine Pfarrei durch weitläufigen und wertvollen Grundbesitz übrigens nicht. Denn: In aller Regel wird ihr die Summe der eingenommenen Pacht an anderer Stelle wieder abgezogen, wenn es um die jährlichen Zuschüsse aus dem Kirchensteuerhaushalt geht. So kommen die Erlöse indirekt allen Gemeinden zu Gute, auch denen ohne oder mit nur kleinen Pachteinnahmen. Dieser Grundsatz gilt – so Susanne Imholte – für etwa 90 Prozent der Pachterlöse.

Landesweit wurden hier 2014 die höchsten Kaufpreise für Ackerland gezahlt, so die niedersächsische Landwirtschaftskammer; im Landkreis Vechta durchschnittlich 83.798 Euro, im Landkreis Cloppenburg 67.737 Euro pro Hektar. 2016 waren es sogar noch mehr.

Mit Pachtpreisen für Kirchenland von derzeit bis zu 1200 Euro im Landkreis Vechta und bis zu 950 Euro im Landkreis Cloppenburg, so Susanne Imholte, die in der Offizialatsverwaltung für Liegenschaften zuständig ist.

Goldener Boden also auch für die Kirche im Oldenburger Land. Sie zählt hier zu den größten Grundbesitzern. Vor allen Dingen im traditionell katholischen Süden, zwischen Friesoythe und Neuenkirchen, Löningen und Visbek. 1625 Hektar Acker- und Grünland, Waldflächen und sonstige Flächen gehören Pfarrgemeinden, erklärt Susanne Imholte  auf Nachfrage von Kirche+Leben. Land, das durch die Wirren der Geschichte, durch Ankauf, aber auch durch Schenkungen und Erbschaften zusammenkam. Zum Beispiel von Menschen, die der Kirche nach ihrem Tod etwas Gutes tun wollten. Früher sicherte das zu einem Amt gehörige Vermögen oftmals den Unterhalt des Pfarrers oder des Vikars. Und heute? Heute geht das Geld an die gesamte katholische Kirche im oldenburger Land.

Zum Beispiel die Pachteinnahmen der Friesoyther St.-Marien-Gemeinde, mit 195 Hektar die oldenburgische Pfarrei mit dem größten Landbesitz. Bei durchschnittlich 590 Euro Pachtzins summieren sich ihre Einnahmen auf rund 115.000 Euro. Pfarrei mit den höchsten Pachteinahmen ist Vechta St. Mariä Himmelfahrt. Sie verfügt nur über 140 Hektar Land, hat das allerdings zu einem höheren Kurs vergeben, zuletzt für durchschnittlich etwa 950 Euro pro Hektar und Jahr. 133.000 Euro, die am Ende allen Gemeinden zu Gute kommen.

Empfehlungen
Jede Pfarrgemeinde im Oldenburger Land kann selbst entscheiden, wie sie die Verpachtung an Landwirte organisiert: durch öffentliche Ausschreibung oder mit festgelegten Pachtpreisen, die sich am Marktpreis orientieren.
Das Pachtland soll sinnvoll und mit Rücksicht auf die Natur genutzt werden. Das will das Offizialat unter anderem mit folgenden Empfehlungen erreichen:
- Als Pächter kommen nur aktive Landwirte infrage.
- Gemüsebauern sollten wegen der intensiveren Bodennutzung verpflichtet werden, alle vier Jahre Gründünger einzusäen.
- Landwirte, die eigene Flächen verpachtet haben, sollten nur ausnahmsweise Kirchenland pachten dürfen, etwa, wenn sie ihre Flächen wegen Wechsel in der Fruchtfolge mit einem anderen Landwirt befristet getauscht haben.