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Gerhard Boßhammer aus Borken gehört zu den ersten Absolventen der kirchenmusikalischen C-Ausbildung im Bistum Münster. Wie es dazu kam.
Gerhard Boßhammer mag es, Neues auszuprobieren und gerne auch mal zu experimentieren. Der 67-Jährige möchte so zeigen, dass auf einer Orgel mehr geht als Werke von Bach und anderen klassischen Komponisten. Vor 49 Jahren hat der Borkener seine Ausbildung zum nebenberuflichen C-Kirchenmusiker beim Bistum Münster begonnen – und gehört damit zu den Dienstältesten, denn seit 50 Jahren bietet das Bistum diese Ausbildung an. Ans Aufhören denkt der Lehrer im Ruhestand lange nicht. Er begleitet weiter Gottesdienste in der Gemener Pfarrei Christus König – und das mit großer Freude und ebenso viel Engagement.
An seinen ersten Gottesdienst an der Orgel erinnert sich Gerhard Boßhammer gut: „Ich hatte gerade ein Jahr Unterricht und sollte in der Frühmesse um 7 Uhr spielen.“ Der damals 17 Jahre alte Schüler beherrschte das Instrument noch nicht so flott, wie die Gemeinde singen wollte. Diese Premierenerfahrung demotivierte den gebürtigen Billerbecker aber keineswegs. Im Gegenteil, sie spornte ihn an: „Ich habe kurz nach dem Abitur von der Möglichkeit der C-Kirchenmusiker-Ausbildung erfahren.“ Der frisch gebackene Student für Musik und Mathematik an der Universität Münster meldete sich an und lernte an den Wochenenden für sein C-Examen. „Das war mehr und besser als im Studium“, traut er sich heute zu sagen. Vor allem in Sachen Chorleitung nahm er aus der Bistumsausbildung viel Hilfreiches mit. Aber auch die Gemeinschaft mit den anderen angehenden C-Kirchenmusikern sei prima gewesen.
40 Gottesdienste im Monat
Vor allem die Sonntage des jungen Mannes waren musikalisch durchgetaktet: „6 Uhr, 7 Uhr, 8.45 Uhr, 10.15 Uhr und 18 Uhr – und am Vorabend um 18 Uhr. Ich habe in etwa 40 Gottesdiensten im Monat an der Orgel gesessen.“ Wenn er zurückschaut, ist Boßhammer über sein Pensum von damals selbst überrascht. „Ich war eifrig und fromm“, sagt er mit leichtem Unterton.
Während des Referendariates konzentrierte sich Boßhammer – neben Organistenvertretungen in verschiedenen Pfarreien – zunächst auf die musikalische Gestaltung der Schulgottesdienste. Als fertiger Lehrer übernahm er später an der Schönstätter Marienschule außerdem die Leitung der schuleigenen Band: „In dieser Zeit habe ich meine Liebe zu den neuen geistlichen Liedern entdeckt.“ Private Veränderungen waren dann Grund für einen beruflichen Wechsel. Boßhammer ging an eine staatliche Schule – und verlor vorübergehend den Kontakt zur Kirche.