Hintergründe zur Kirchensteuer in Deutschland

Kirchensteuer – die sieben wichtigsten Fragen und Antworten

Die Kirchensteuer ist die zentrale Einnahmequelle der katholischen und evangelischen Kirchen in Deutschland. Wir beantworten die sieben wichtigsten Fragen zum Hintergrund der Steuer.

Was ist die Kirchensteuer?

In Deutschland ist die Kirchensteuer eine verpflichtende Abgabe der Kirchenmitglieder an ihre Religionsgemeinschaft. Die Höhe legt die Kirchenleitung fest, das jeweilige Landesparlament setzt sie in Kraft. Die Kirchensteuer beträgt in der Regel neun Prozent der Lohn- oder Einkommensteuer, in Baden-Württemberg und Bayern acht Prozent. Auch auf Kapitalerträge ist Kirchensteuer fällig. Der Beitrag wird über das staatliche Finanzamt eingezogen und an die Kirchen weitergegeben. Der Staat erhält für diesen Dienst etwa drei Prozent des Steueraufkommens.

Seit wann gibt es die Kirchensteuer?

Sie wurde 1919 in heutiger Form eingeführt und dokumentiert die rechtliche und funktionale Stellung von Kirche und Staat. Sie sichert die finanzielle Unabhängigkeit der Kirche vom Staat. Vorher wurde die Kirche als eine öffentliche Angelegenheit betrachtet und erheblich durch staatliche Gelder finanziert.

Wer darf Kirchensteuer erheben?

Das Recht, Kirchensteuer nach Maßgabe der Kirchensteuergesetze der Länder zu erheben, steht allen Religionsgemeinschaften offen, die Körperschaften öffentlichen Rechts sind. Dazu gehören neben den katholischen Bistümern und den Kirchen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die jüdischen Gemeinden und Religionsgemeinschaften, die alt-katholischen Bistümer und einige freireligiöse Gemeinden.

Wie entwickelt sich die Kirchensteuer?

Trotz Mitgliederrückgangs steigen die Kirchensteuer-Einnahmen derzeit noch. Als Grund gilt die gute Wirtschafts- und Beschäftigungslage. Mit den Löhnen und Einkommen in Deutschland steigen Lohn- und Einkommensteuer und folglich auch die Kirchensteuer. Allerdings: Eine von den beiden Kirchen im Mai 2019 veröffentlichte Studie prognostiziert, dass sich die Kaufkraft der Kirchensteuereinnahmen bis 2060 in etwa halbieren werde.

Wer zahlt Kirchensteuer?

Von den Mitgliedern der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland zahlt (Stand 2018) nur knapp die Hälfte Kirchensteuer. Nach Angaben der Bischofskonferenz kommen rund 37 Prozent der Katholiken für 97 Prozent der Kirchensteuer auf. Kinder und Jugendliche ohne Einkommen, Menschen mit geringer Rente und Arbeitslose zahlen keine Lohn- und Einkommensteuer und daher auch keine Kirchensteuer.

Wieso geht die Kirchensteuer nicht direkt an die Gemeinden?

Ein solches System hätte zur Folge, dass eine Pfarrei mit einkommensstärkeren Menschen mehr Geld zur Verfügung hätte als eine Gemeinde, in der viele Arbeitslose und Geringverdiener wohnen. Die Verwaltung der Kirchensteuer durch ein Bistum nach Vorgaben des Kirchensteuerrates garantiert jeder Pfarrei eine angemessene Grundausstattung, unabhängig vom Kirchensteueraufkommen in ihrem Bereich.

Welche Alternativen gibt es international zur Kirchensteuer?

In Österreich, der deutschsprachigen Schweiz, in Schweden, Finnland und Dänemark bestehen ähnliche Kirchensteuersysteme wie in Deutschland. In den USA, Frankreich, Portugal, Irland und den Niederlanden gibt es Spenden- und Kollektensysteme. Steuerliche Lösungen haben zwar auch Italien, Spanien, Ungarn und andere Staaten; diese sind jedoch fundamental anders als in Deutschland. Norwegen und Belgien greifen auf einen Teil Kirchenfinanzierung durch den Staat zurück.