Generationswechsel für Katholische Bücherei St. Marien

Kleine Bücherei in Delmenhorst behauptet sich gegen große Konkurrenz

Warum ist Renate Gellermann so lange bei ihrer ehrenamtlichen Aufgabe in der Bücherei St. Marien Delmenhorst geblieben? Sie lacht. „Ich konnte immer als Erste die Neuerscheinungen lesen, schließlich musste ich ja wissen, was ich weiterempfehle.“ Neue Bücher lesen – eine wichtige Aufgabe also. 27 Jahre hat Renate Gellermann in der Bücherei ehrenamtlich gearbeitet, 13 Jahre als Leiterin.

Damit sei die „ein Teil meines Lebens“ geworden, sagt sie. Renate Gellermann hat über die Jahre den ständigen Wandel im kirchlichen Büchereiwesen mit gestaltet. Bis in die 1970er Jahren ging es dort im Wesentlichen um das Ausleihen von Büchern.

Rasanter Wandel über Jahrzehnte

Dann erweiterte sich das Angebot stetig: zunächst um Musikkassetten, Filme auf Video, Computerspiele. Später musste die Bücherei auf CD und DVD reagieren, die gewohnte Formen ablösten.

Das Internet bedeutete einen neuen Einschnitt: Musik und Filme werden günstig von Strea­ming-Diensten bereitgestellt, Jugendliche werden mit E-Book-Readern groß. Doch Renate Gellermann hat die Erfahrung gemacht: „Es gibt weiter Menschen, die das Buch und die persönliche Beratung in einer Bücherei schätzen.“

Bücherei verzeichnet hohe Ausleihzahlen

Mit diesem Ergebnis: 2017 wurden die mehr als 4000 Medien in der Bücherei St. Marien im Schnitt 1,5 Mal ausgeliehen. Diese Zahl ist wichtig. Denn die Fachstelle Bücherei im Bischöflichen Offizialat hat festgelegt: Büchereien müssen künftig eine Ausleihquote von 0,5 erreichen. Nur dann gibt es Zuschüsse, um neue Bücher anzuschaffen, wenn Ladenhüter ausgemustert werden. Die Bücherei St. Marien übertrifft diesen Grenzwert also um das Dreifache und kann weiter auf kirchliches Geld hoffen.

Auch die beiden anderen katholischen Büchereien im Dekanat Delmenhorst stehen gut da; in St. Christophorus werden die  3400 Medien im Schnitt 0,8 mal ausgeliehen, in Heilig Geist Lemwerder, 3500 Medien im Schnitt 0,9 mal. Stuhr und Hude haben keine Büchereien.

Andere Büchereien mussten schließen

Die gute Ausleihquote in St. Marien ist nicht selbstverständlich; im vorigen Herbst haben im oldenburgischen Teil ds Bistums Münster die katholischen Büchereien in Bunnen, Evenkamp, Markhausen und Thüle geschlossen. Die Nachfrage war zu gering.

Den Erfolg ihrer Bücherei macht Renate Gellermann auch an der Atmosphäre fest: „Ein offenes Ohr, eine persönliche Beratung, gerne auch eine Tasse Kaffee, nette Leute treffen.“ Kein Online-Dienst könne das bieten.

Viel kleiner als die städtische Bücherei

Sie weiß, dass ihre Bücherei  mit dem Angebot der Stadtbücherei nicht mithalten kann; dort stehen 66 000 Medien bereit. „Wir sind aber wesentlich schneller und flexibler, wenn es darum geht, neue Medien zu beschaffen. Da haben wir Vorteile gegenüber der Behörde.“ Das Team könne schnell auf aktuelle Fragen reagieren und Medien zum Thema Flüchtlinge oder sexueller Missbrauch anschaffen.

Oft sind es für die Leiterin auch die kleinen Dinge. „Wir können schon mal ein Auge zudrücken wenn jemand mit schmalem Geldbeutel überzogen hat; das kann eine Behörde nicht so einfach.“

Sie schaut beim Abschied also zuversichtlich auf die Zukunft ihrer Bücherei. Und was macht Renate Gellermann mit der gewonnenen Zeit? „Lesen, lesen, lesen!“