INTERVIEW

Carillon in Kleve: Propst Meckings gar nicht heimliche Leidenschaft

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Wenn am Wochenende 600 Jahre Stiftskirche gefeiert wird, gestaltet der Propst persönlich ein Konzert mit 23 Glocken im Nordturm. Wie kam es dazu?

Propst Mecking, wie sind Sie zum Carillon-Spielen gekommen, wie haben Sie es erlernt? 

Gelernt habe ich das überhaupt nicht. Das musste ich auch nicht, weil wir kein klassisches Carillon mit einem traditionellen Stockspieltisch haben, auf dem man die einzelnen Glocken von Hand anspielt, sondern ein computergesteuertes. Aber ich habe, bevor ich Priester wurde, ein volles Kirchenmusikstudium absolviert, in dem auch die Fächer Komposition, Gesang und Musikpädagogik integriert waren. Von daher liegt mir Musik in vielerlei Hinsicht sehr am Herzen.

Erklären Sie kurz: Wie funktioniert Ihr Carillon?

Das Ganze funktioniert über einen Computer namens Apollo 3, über den die Glocken gesteuert werden. Da spiele ich über eine Tastatur die jeweilige Melodie ein, höre es noch einmal ab und speichere das. Der Computer ordnet das Stück dann den einzelnen Glocken zu und lässt die programmierten Lieder zu den gewünschten Zeiten erklingen.

Wie ist es dazu gekommen, dass es ein Carillon an der Stiftskirche gibt? 

Ich bin einfach ein Glockenfreund. Schon als ich in Borken war, habe ich mich dafür eingesetzt, dass die Johanneskirche eine zweite Glocke bekam. In Beckum hatten wir ein ganz großes Projekt von ursprünglich vier Läuteglocken auf zwölf inklusive umfangreichem Glockenspiel, das auch schon über diese technischen Möglichkeiten verfügt. Hier in Kleve hatte ich 2017 diese Idee, die ich dann unters Volk gebracht und recht schnell Spender zur Finanzierung gefunden habe. Bei uns ist das Glockenspiel im Nordturm aufgehängt, das wir von einem zwölfstimmigen jetzt auf ein 23-stimmiges Glockenspiel ausgebaut haben, und so kann man von einem Carillon sprechen. Wenn man es ganz genau nimmt, müsste man eigentlich auch einen traditionellen Stockspieltisch haben. Aber das ist zum einen sehr aufwendig, die Technik ermöglicht es ohne – und es „gildet auch so“, wie man hier am Niederrhein sagt.

Wie oft ist es zu hören? 

Dreimal am Tag! Aber es beginnt schon morgens um 8.55 Uhr mit der einfachen Melodie von „Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat“ – das ist ganz kurz und spielt bis 18.55 vor jeder vollen Stunde. Dann gibt es ein- bis zweimütige Glockenspiele um 11.46 Uhr, um 15.47 Uhr und abends um 18.31 Uhr.

Warum zu diesen krummen Zeiten?

Das machen wir so, um der Schwanenburg nicht in die Quere zu kommen, einem Wahrzeichen Kleves. Da gibt es eben auch einen Glockenschlag zu den Viertel-, halben und vollen Stunden.

Welche Musik ist von der Klever Stiftskirche zu hören?

Meistens Kirchenlieder. An Silvester spielen wir auch schon mal „An der schönen Blauen Donau“. Und in guter Nachbarschaft zu den Niederlanden ist am Koningsdag am 27. April die Nationalhymne „Het Wilhelmus“ zu hören, damit die Holländer, die vor ihrem Königsfest zu uns nach Kleve fliehen, immer wissen, dass sie Holländer sind. Nachmittags spielen wir aber täglich das „Klever Lied“, darüber freuen sich die Klever. Und abends gibt es nach einem geistlichen noch ein schönes Schlaflied wie (singt) „Guten Abend, gute Nacht“, damit die kleinen Kinder gut schlafen können.

Was haben Sie sich zum 600-jährigen Jubiläum der Stiftskirche als Programm ausgedacht?

Das muss man mal schauen. Über eine ganze Liste aufgenommener Stücke lässt sich auch ein kleines Wunschkonzert gestalten. Das kann ich übrigens von überall auf der Welt machen, weil ich die entsprechende App auf meinem Handy habe und so auch schon mal bei einem Geburtstag „Happy birthday to you“ erklingen lasse. Wenn es also plötzlich mal wieder läutet, weil ich das Glockenspiel auf meinem Handy angetippt habe, sagen die Leute vermutlich wieder: „Ach der Propst hat wieder sein Räppelken …“

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