Konzept zu Dienstwagen über Arbeitswege bis Öko-Heizungen im Pfarrheim

Klimaneutral bis 2030 – Erzbistum Freiburg geht voran

Als deutschlandweit erste Diözese strebt Freiburg an, klimaneutral zu werden. Bis zum Jahr 2030 soll der Ausstoß von klimaschädlichem CO2 in allen Einrichtungen und Kirchengemeinden der Diözese rechnerisch auf Null sinken. Neben der Energieversorgung von Gebäuden geht es auch um einen Wandel der Mobilität. Denn in die CO2-Rechnung fließen auch Dienstreisen sowie die täglichen Arbeitswege aller kirchlichen Mitarbeiter ein.

Damit die Ökobilanz aufgeht, müsste künftig jede Tonne CO2, die im kirchlichen Leben zwischen Bodensee und Mannheim entsteht, durch die Produktion von regenerativen Energien – beispielsweise durch Solarzellen auf Kirchendächer - ausgeglichen werden. Aktuell liegt der Gesamtjahresausstoß im Bistum bei geschätzten 63.000 Tonnen CO2.

Bistumsweite Workshops wollen begeistern

„Um die sehr ambitionierten Ziele zu erreichen, erarbeiten wir jetzt ein umfassendes Klimaschutzkonzept. Entscheidend ist dabei, möglichst viele Menschen zu begeistern und zum CO2-Sparen zu befähigen“, sagt Michael Himmelsbach, Leiter der Diözesanstelle für Umwelt, Energie und Arbeitsschutz.

Unterstützt wird die Kirche dabei von Fachleuten des Freiburger Ökoinstituts und des Heidelberger Instituts für Energie und Umwelt (IFEU). In den kommenden Wochen starten die ersten Workshops, bei denen bistumsweit über die Ziele informiert wird und die Ideen und Perspektiven der betroffenen Akteure eingeholt werden sollen. So wird es um beispielhafte Ökoheizungen für Kirchen und Kindergärten gehen, um finanzielle und technische Aspekte, um Denkmalschutz bei kirchlichen Photovoltaikanlagen oder um die Frage, wie Umweltthemen in der Bildungsarbeit verankert werden können.

Seit 2014 CO2-Ausstoß halbiert

Dabei fängt die Kirche im Südwesten nicht bei Null an. Bereits vor elf Jahren erarbeitete das Umweltreferat ein erstes Klimaschutzkonzept. Zwischen 2009 bis 2014 konnte damit bei Heizung und Betrieb der kirchlichen Gebäude der CO2-Ausstoß um fast die Hälfte reduziert werden. Regenerative Energien und energetische Sanierungen werden besonders gefördert, „Heizungsflüsterer“ beraten zu Effizienz und Einsparmöglichkeiten. „Das bedeutet, dass wir schon auf vielfältige Erfahrungen aufbauen können, was funktioniert und wo wir noch besser werden können“, sagt Umweltreferent Benedikt Schalk.

Zugleich sind die kirchlichen Klimaschutz-Experten so selbstbewusst, eine Vorreiterrolle für andere gesellschaftliche Bereiche übernehmen zu wollen. Erzbischof Stephan Burger verweist auf Papst Franziskus, der in seinem Grundsatztext „Laudato si“ zum Schutz des „gemeinsamen Hauses der Erde“ aufruft.

Ökumenische Energie-Agentur

Auch tauschen sich Landeskirchen und Bistümer in Baden-Württemberg in Umweltfragen bereits regelmäßig aus und haben beispielsweise eine gemeinsame Energie-Agentur gegründet, die Ökostrom für kirchliche Einrichtungen liefert und bei regenerativen Energien berät. Auch die Landeskirche Baden arbeitet an einem Weg hin zur Klimaneutralität.

Die Initiative „Wir-kaufen-anders.de“ ist eine neue Internetseite, über die Kirchengemeinden und Kindergärten ökologisch und fair produzierte Waren - von Büromaterial bis Kaffeebohnen - kaufen können. Ausbauen wollen die Kirchen auch den Einsatz von Elektro-Dienstwagen. Pilotprojekte gibt bei Pflegediensten und Einrichtungen der Caritas.

6,3 Millionen Euro für innovative Projekte

„Zum ehrgeizigen Klimaschutzfahrplan gehört auch eine saubere Bilanzierung“, betont Umweltstellendirektor Himmelsbach und kündigt als ersten Schritt eine umfassende Bilanz für 2018 und 2019 an. Diese Musterrechnung soll dann auch zeigen, welche Gemeinden und Regionen mit welchen Initiativen besonders erfolgreich waren. Und damit Vorbildcharakter haben könnten.

Ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum klimaneutralen Bistum ist der für 2020 und 2021 aufgelegte Klimaschutzfonds der Diözese: Hier stehen 6,3 Millionen Euro für innovative Projekte bereit, die kirchliche Akteure und Einrichtungen abrufen können. Die Höhe des Fonds bemisst sich dabei anhand des aktuellen CO2-Ausstoßes: 63.000 Tonnen zum „Preis“ von 100 Euro je Tonne.

Ob die kirchliche Rechnung bis 2030 als Beitrag gegen den Klimawandel tatsächlich aufgehen wird – eine Garantie dafür kann Himmelsbach nicht geben. „Aber ein bloßes 'Weiter so' können wir uns nicht leisten.“