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Bei all den kirchlichen Binnenkrisen droht der Klimawandel, in den Hintergrund zu geraten. Das muss sich dringend ändern, sagt Johann Pock.
Hitzige Debatten prägen aktuell die römisch-katholische Kirche: Frauenweihe, Zölibat, Laienpredigt, Piusbrüder. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass in diesen innerkirchlichen Debatten eine Fülle an Beiträgen und Kommentaren entsteht.
Viel weniger warme Luft und Wind werden jedoch beim Thema des Klimawandels beziehungsweise des Beitrags der Kirchen und Religionen dazu erzeugt. Wenigstens wird von der Schöpfung nicht mehr nur im Umfeld des Festes des Hl. Franziskus gesprochen.
Wettersegen – oder doch eher Schuldbekenntnis?
Der Autor:
Johann Pock ist Priester und Professor für Pastoraltheologie, ab 2007 in Bonn, seit 2010 in Wien. Pock ist zudem Mitbegründer und Redakteur des Theologischen Feuilletons „feinschwarz.net“.
Immer noch verwende ich ganz selbstverständlich im Sommer das Segensformular des „Wettersegens“: „Gott, der allmächtige Vater, segne euch und schenke euch gedeihliches Wetter; er halte Blitz, Hagel und jedes Unheil von euch fern.“ – Und zugleich ist mir klar: Die Bitte an Gott ist zu wenig, wenn nicht menschliches Handeln dabei unterstützt, möglichst ein „gedeihliches Wetter“ zu erhalten.
Und müsste man nicht eher statt des Wettersegens oder der Wetter-Fürbitten im Schuldbekenntnis eingestehen, wie sehr wir Menschen selbst an diversen Wetterentwicklungen schuld sind?
Schöpfungsverantwortung und Klimagerechtigkeit
Lehramtlich hat sicher Papst Franziskus mit seiner Enzyklika „Laudato si’“ (2015) und dem weiterführenden Apostolischen Schreiben „Laudate Deum“ den Weg gewiesen. Er propagiert darin eine universale Solidarität – zwischen verschiedenen Ländern, aber auch mit der Tier- und Pflanzenwelt.
Klimagerechtigkeit darf daher nicht nur bei extremen Wetterereignissen, die uns selbst betreffen, ein Thema sein – sondern es geht um das grundsätzliche Thema der Schöpfungsverantwortung – und der Gerechtigkeit zwischen Ländern und Institutionen, die am meisten zur Klimaveränderung beitragen, und jenen Menschen, die am meisten darunter zu leiden haben.
Sinn- und Gerechtigkeitskrise
In einem soeben erscheinenden Buch „Klimagerechtigkeit und Religion“ kommen Alexander Filipović und ich zum Resümee, dass die Klimakrise im Kern eine Sinn- und Gerechtigkeitskrise ist, die tief in unser menschliches Selbstverständnis hineinreicht. Dabei sind die Religionen unverzichtbare Akteure: jedoch nicht als moralische Mahner, sondern indem sie auch Hoffnungsbilder anbieten und damit konkrete Handlungspfade eröffnen können.
Ich will damit den Wettersegen nicht kleinreden oder sogar abschaffen – sondern vielmehr mit dem verbinden, was im Gottesdienst nach dem Segen noch kommt: der Sendungsauftrag, selbst im Sinne des Segens aktiv zu werden.
In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.