KLJB-Diözesanvorsitzende Jana Uphoff zur Grünen Woche in Berlin

KLJB: Warum es sich auf dem Land besser leben lässt

Erstmals hat die Katholische Landjugend (KLJB) aus dem Bistum Münster eine eigene Vertretung auf der Grünen Woche in Berlin. Vom 17. bis 26. Januar können sich Unternehmen und Besucher über die neusten Trends rund um die Themen Landwirtschaft und Ernährung informieren. Die KLJB-Diözesanvorsitzende Jana Uphoff steht Besuchern gemeinsam mit Margret Schemmer aus dem Vorstand des Katholischen Landvolks Rede und Antwort.

Normalerweise feiert man bei der KLJB Messen – jetzt fahren Sie zu einer. Warum beschäftigt sich die KLJB auf diese Art und Weise mit dem Thema?

Messen zu feiern, gehört bei uns dazu, und wir versuchen auch, mit unseren jungen Mitgliedern das "K" in "KLJB" für "katholisch" aktiv zu leben und in die Aktionen einzubinden. Vor allem beim Erntedankfest klappt das noch super gut, und viele Ortsgruppen gestalten Aktionen wie Minibrote backen und Erntedankgottesdienste.

Jana UphoffJana Uphoff (27) aus Warendorf-Hoetmar ist Diözesanvorsitzender der Katholischen Landjugend-Bewegung (KLJB) im Bistum Münster. | Foto: Marie-Theres Himstedt

Wie kam es dann zu dem Stand auf der Landwirtschaftsmesse „Grüne Woche“?

Das Katholische Landvolk ist regelmäßig dort vertreten. Nur für uns als KLJB Münster ist es das erste Mal. Auf Anfrage des Anbieters haben wir uns im Sommer gemeinsam mit dem Katholischen Landvolk entschieden, erstmalig einen Stand auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin zu planen. Wir möchten uns als Verbände und Vertreter der jungen und junggebliebenen Menschen vom Land dort präsentieren und auf wichtige Themen wie das Landleben und die Landwirtschaft aufmerksam machen. Uns ist es wichtig, mit den Besuchern wie Verbrauchern und Städtern ins Gespräch zu kommen, Transparenz zu schaffen und unser Katholikentags-Motto „Dorf findet Stadtt“ vorzustellen. Mit diesem Motto haben wir in unserem kleinen selbstaufgebauten Dorf am Aasee bereits auf dem Katholikentag 2018 in Münster positive Erfahrungen gemacht und freuen uns, zu zeigen, dass das Dorfleben auch in der Stadt stattfindet und umgekehrt.

Was sind denn die Vorteile am Landleben?

Ich komme nicht direkt aus einem Dorf, sondern bin in der kleinen ländlichen Stadt Oelde aufgewachsen, habe durch mein Studium auch in größeren Städten gewohnt und bin nun in ein kleines Dorf gezogen. Meiner Meinung nach hat beides seine Vor- und Nachteile. Auf dem Land mag ich aber vor allem, dass meistens alles sehr persönlich ist, jeder jeden kennt und ich nicht nur flüchtige Bekannte, sondern wirklich viele Freunde in meiner Heimat habe. Alles ist irgendwie vertrauter und der Zusammenhalt ist sehr groß. Es ist ruhiger und man ist sehr schnell in der Natur. Außerdem werden Gemeinschaft und Traditionen hier noch gelebt. Ich freue mich zum Beispiel jedes Jahr immer wieder auf unser Schützenfest.

Momentan sieht man viele grüne Kreuze am Wegesrand – Idylle pur ist in der Landwirtschaft ja auch nicht gerade angesagt. Wie schafft die KLJB den Spagat - und was hat es mit diesen Kreuzen auf sich?

Von Idylle pur kann man in vielen Bereichen recht selten sprechen, und so ist es auch in der Landwirtschaft. Durch viele Freunde, die aus der Landwirtschaft kommen, und durch die Vorstandsarbeit in der Landjugend bekomme ich viele Unsicherheiten und Probleme mit. Vor allem die jungen Landwirte wissen angesichts der derzeitigen Politik nicht, wie ihre Zukunft aussieht und welchen Weg sie einschlagen sollen. Ich finde es sehr wichtig, Transparenz zu schaffen, aufzuklären und das direkte Gespräch zwischen Politik und Landwirtschaft zu führen. Nur so können Politik und Landwirtschaft auf lange Sicht in eine gemeinsame Richtung blicken.

Mit den grünen Kreuzen fordern die Landwirte von den Verbrauchern Aufmerksamkeit und drücken ihre Gefühle aus. Ich selber kenne auch einige Landwirte, die den Hof ihrer Eltern weiterführen möchten und so eine Tradition, ein Erbe übernehmen. Allerdings fehlen einfach die Rahmenbedingungen, um zum Beispiel noch mehr Tierwohl und Umweltschutz in die tägliche Arbeit einfließen zu lassen und dies dann in der Vermarktung auch bezahlt zu bekommen.

Mit jedem Hof, der nicht weitergeführt wird, ist unsere Grundversorgung gefährdet und dies sollten die Verbraucher wissen. So denke ich, dass das Aufstellen der Kreuze sicherlich ein wenig makaber ist, aber es rüttelt wach und das finde ich gut.

Was bietet die KLJB diesen Menschen?

Wir feiern nicht nur Messen oder fahren zu „Messen“ wie der Grünen Woche, wir haben auch viele tolle Aktionen aus verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel die 72-Stunden-Aktion, Schulungsangebote für Vorstände und Ortsgruppen, unsere Internationalen Partnerschaften sowie Agrarfahrten. Außerdem ist es uns sehr wichtig, die Politik auf uns aufmerksam zu machen. Wir führen regelmäßig Gespräche mit verschiedenen Politikern wie Ursula Heinen-Esser (CDU), der Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen im Januar.

Auf welche Aktionen der KLJB können sich Interessierte 2020 noch freuen?

Am 25. April steht ein großes Ereignis an, wir feiern gemeinsam mit unseren Mitgliedern in Coesfeld unseren „D-Tag“, den Diözesantag. Dieser findet alle fünf Jahre statt und wir verbinden ihn in diesem Jahr mit unserem 70-jährigen Jubiläum. Dazu planen wir ein Festival. Mit unserem KLJBeats-Festival „Krach am Kipper“ möchten wir als Jugend vom Land lautstark auf uns und Themen, die uns bewegen, aufmerksam machen. Dazu gehört zum Beispiel der Lebensraum Land und die Jugend im Ort, die Landwirtschaft und Regionalität, eine moderne Kirche für junge Menschen sowie Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Wir sind schon mitten in der Vorbereitung und die Vorfreude ist riesig!

Jana Uphoff (27) lebt in Warendorf-Hoetmar. Nach sechs Jahren im Bezirksvorstand Beckum ist sie seit drei Jahren Diözesanvorsitzende der KLJB im Bistum Münster. Sie hat Tourimusmanagement in Deventer (Niederlande) studiert und den Master in Eventmarketing und Live-Kommunikation in Chemnitz gemacht. Die passionierte Pferdesportlerin arbeitet als Regionalmanagerin beim Verein 8Plus-VITAL.NRW im Kreis Warendorf. Dort betreut sie Projekte zur Förderung im ländlichen Raum.