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Projekt der Steinfelder St.-Johannes-Pfarrei wurde zunächst belächelt

Klönen und Knoblauch dünsten: Männer-Kochkurs gerade auf dem Dorf ein Hit

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Rentner sollen Zwiebeln schneiden, Frikadellen braten und über Rezepte fachsimpeln? In Steinfeld (Kreis Vechta) waren manche zunächst skeptisch: Ob sich für das Angebot „Mittagstisch 65plus“ der St.-Johannes-Pfarrei überhaupt jemand anmelden würde? Hier auf dem Dorf? Aber der Kochtreff für ältere Männer hat sich mittlerweile etabliert. Eine Reportage vom Neustart nach der Corona-Zwangspause.

Seine Tochter hat ihn ermutigt. „Dann hast du morgens mal etwas zu tun, Papa. Und Du triffst mal andere Leute.“ Mit diesen Worten machte sie Helmut Werner den Vorschlag mit dem Männer-Kochkurs im Pfarrheim schmackhaft. Mittlerweile ist der erste Dienstag im Monat für ihn fest im Kalender notiert – und nach dem Lockdown seit kurzem auch wieder möglich. Endlich!

So steht der 77-jährige Witwer jetzt neben den anderen in der Pfarrheimküche und hat dabei die Pfannen im Blick. Pilze und Frühlingsnudeln schmurgeln darin vor sich hin. Auf der Herdplatte daneben dampft das Nudelwasser. In der Luft hängt der süßliche Duft von gedünstetem Knoblauch. Helmut Werner lächelt. Der Kochkurs sei da genau das Richtige für ihn, sagt er.

Die Idee kam aus dem Caritas-Ausschuss

Früher hatte er eine Bäckerei im Ort. „Rezepte und Nahrungsmittel sind deshalb auch genau mein Thema“, sagt er. „Für andere Senioren wäre vielleicht ein Computerkurs das Richtige. Für mich aber nicht.“ Dann schon lieber Kochen. „Außerdem bin ich dann mal morgens nicht alleine zu Hause, wenn meine Tochter arbeitet und die Kinder in der Schule sind. Es ist Beschäftigung und ich komme mal raus.“

Männer wie ihn hatte der Caritas-Ausschuss der St.-Johannes-Pfarrei im oldenburgischen Steinfeld vor Augen, als er vor gut drei Jahren das Projekt „Mittagstisch 65plus“ ins Leben rief. „Männer im Rentenalter, nicht nur alleinstehende, die nach dem Ruhestand Zeit haben und gerne mal miteinander kochen wollen“, beschreibt Ursula Peters, Pastoralreferentin in der Pfarrei, die Zielgruppe des Angebots. „Die Lust haben, etwas dazuzulernen und neue Leute kennenzulernen.“

Anfangs wurde die Idee im Dorf belächelt

Zu Beginn hätten manche im Dorf das Projekt allerdings belächelt. Männer am Herd? Ob da überhaupt jemand kommt? Die Initiatoren haben sich davon aber nicht entmutigen lassen. Ursula Peters: „Wir haben uns überlegt: Was könnte Menschen in dieser Lebensphase guttun?“ Und da lagen sie bei denen, die nach der Corona-Zwangspause jetzt wieder in der Küche des Pfarrheims im Steinfelder Gemeindeteil Holdorf am Werk sind, genau richtig.

Menschen wie Bernard Grave zum Beispiel. Der 74-jährige ehemalige Landwirt ist von Anfang an dabei. Auch ihm geht es ums Kochen, aber nicht nur. „Vor 24 Jahren ist meine Frau gestorben“, sagt er. „Da musste ich von heute auf morgen kochen.“ Mittlerweile lebt er mit seinem Sohn allein auf seinem Hof und probiert mit ihm immer mal wieder Rezepte aus dem Treffen zu Hause aus.

Kochen und andere Leute treffen

Vielleicht bald auch das von heute. „Pasta und Pasta-Saucen“ steht als Oberthema über den Rezeptzetteln, die die Teilnehmer im Anschluss mit nach Hause nehmen können. „Heute war ich mit für Pesto zuständig“, sagt Bernard Grave. Pinienkerne, Knoblauch, Basilikum zu mixen - kulinarisches Neuland für ihn. Er ist schon gespannt, wie es schmeckt. „Aber mindestens ebenso wichtig ist für mich das Zusammensein mit den anderen hier. Neue Leute kennenzulernen und mit den anderen hier etwas zu tun.“

Bernard Grave nickt. „Das ist super hier!“, sagt er. Und es sei ein Unterschied zu anderen Möglichkeiten. „Andere Leute treffen könnte ich auch in der Kneipe. Aber gemeinsam zu kochen, zu essen und dann noch zusammenzusitzen – das hier ist eben etwas Anderes.“

Ein Küchenprofi leitet die Männer-Kochgruppe

Morgens um elf Uhr treffen sich die Männer im Holdorfer Pfarrheim, immer am ersten Dienstag im Monat. Reihum übernimmt einer den Einkauf der Zutaten für die Rezepte, die Leiter Reinhard Schröder heraussucht. Der 63-Jährige ist ebenfalls Rentner, aber als Küchenmeister immer noch ein Profi am Herd - als ehemaliger Küchenchef im Marienhospital Osnabrück, in einer Mensa dort und 25 Jahre in der Caritas-Klinik Marienstift Neuenkirchen. Mehrere Jahre saß er im Pfarreirat. „So war der Caritas-Ausschuss wohl auf mich gekommen“, sagt er.

Während des Kochens ist Reinhard Schröder permanent in Aktion, steht mal an der Arbeitsplatte und dann wieder am Herd, beantwortet Fragen oder verteilt Aufträge. „Erst kommt der Speck rein, dann die Champignons, die Frühlingszwiebeln und alles mit Sahne auffüllen“, erklärt er zum Beispiel und meint dann noch: „Lass uns eine größere Pfanne nehmen. Da kommen ja hinterher noch Nudeln rein.“

Kochtipps sind inklusive

Kurze Zeit später der nächste Auftrag: „Ihr müsst das jetzt würzen, und dann kommen die Tomaten drauf.“ Und als einer der Männer einen Becher Sahne in die Pfanne mit Pilzen und Frühlingszwiebeln gegossen hat, sagt er: „Jetzt lassen wir das erst einmal einkochen und dann gießen wir noch etwas nach.“ Dazu gibt es Tipps wie „Für Soßen am besten Tomaten aus der Dose, die sind einfach reifer als frische.“

Die Kiste mit den Zutaten leert sich nach und nach. Diesmal war Ralf Weier (65) fürs Einkaufen zuständig. Das meiste hat er am Vortag besorgt. „Das Frische, also Gehacktes und so, das habe ich heute Morgen geholt.“

Die meisten Männer lernen auch etwas für zu Hause

Detlef Pfeiffer (72) hat schon vor Jahren das Kochen zu Hause übernommen. „Meine Schwiegereltern waren pflegebedürftig, und meine Frau hatte zu wenig Zeit. „Da ich selbst schon in Rente war und Zeit hatte, habe ich das dann übernommen.“ Für ihn stand bei den Kochtreffen anfangs eher das Lernen neuer Rezepte im Vordergrund. „Und das hat auch richtig was gebracht“, sagt er mit Begeisterung in der Stimme.

Er schwärmt: „Das erste war die Hühnersuppe. Die war zu Hause gleich der Brüller.“ Oder Eierstich! Der sei seiner Frau nie so richtig gelungen. Er selbst hatte keine Schwierigkeiten. „Reinhard hat es mir einmal erklärt. Und jetzt klappt die Sache!“

Am Ende wird gegessen, gespült und aufgeräumt.

Ist es eigentlich ein Vorteil, dass keine Frauen mitmachen? „Das wäre mir im Prinzip egal“, sagt Detlef Pfeiffer. Aber vielleicht sei es gut, dass Männer beim Kochen meist allesamt Laien sind. „Da blamieren wir uns nur unter uns.“ Und auch wenn es ihm in erster Linie ums Kochen selbst geht, hat auch Detlef Pfeiffer gerade während der Lockdown-Zeit gespürt, wie wichtig ihm auch das Zusammensein mit den anderen geworden ist. „Das hat mir in den vergangenen Monaten richtig gefehlt.“

Das Kochen ist das eine. Zwischendrin ist immer auch noch Zeit, um miteinander zu reden. Zum Beispiel, wie das eigentlich ist: der Übergang in die Rente. „Es ist ja eine Umstellung“, sagt zum Beispiel Uwe Prang. „Und den ganzen Tag zu Hause rumzuhängen – das ist ja auch nicht das Wahre.“ Besonders schwierig sei es, wenn Mann und Frau ein Leben lang gearbeitet haben und dann gemeinsam in Rente gehen.

Der 65-Jährige hatte vorher noch nie gekocht. „Höchstens Spiegeleier, das übliche Männergericht“, und ergänzt schmunzelnd, dass er von seiner Frau geschickt worden sei. „Aber es macht wohl Spaß. Auch das gemeinsame Essen im Pfarrsaal neben der Küche. Und um kurz nach eins stehen alle Töpfe und Teller wieder gespült und abgetrocknet im Schrank.“

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