ORDEN

Finanznot: Muss Kloster Ettal renommiertes Gymnasium schließen?

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Zuletzt sei jährlich ein Minus von 500.000 Euro angefallen. Warum das Kloster nicht mehr zuschießen kann, was die Kosten treibt und wer helfen soll.

Von KNA

Die Benediktiner des oberbayerischen Klosters Ettal bangen um den Erhalt ihres renommierten Gymnasiums. Die Schule erweise sich als zunehmend defizitär; zuletzt sei jährlich ein Minus von 450.000 bis 500.000 Euro angefallen. Der "Münchner Merkur" hatte als erstes über die Finanzsorgen berichtet.

Der Orden hofft, der Landkreis könnte mit Zuschüssen helfen, eine drohende Schließung abzuwenden. Den Schulbetrieb weiter nur mit Kloster-Mitteln zu subventionieren, sei nicht möglich.

So finanziert sich die Schule

Der Cellerar des Ordens, Pater Johannes Bauer, sagt der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), das Ettaler Gymnasium sei kein "Profit-Center". Die Privatschule werde zwar nach dem Bayerischen Schulfinanzierungsgesetz gefördert, einen unmittelbaren Anspruch auf eine Zuwendung aus dem Landkreis habe sie indes genauso wenig wie einen auf Kirchensteuermittel. Der Betrieb finanziere sich durch freiwillige Zuschüsse unter anderem der Erzdiözese München und Freising sowie aus privatem Schulgeld.

Das in der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts aufgelöste Kloster war 1900 wiederbegründet worden. Auf Verlangen der damaligen königlich-bayerischen Regierung sollte dort eine Lateinschule einrichtet werden. Im laufenden Schuljahr besuchen 242 Schülerinnen und Schüler das Gymnasium.

Orden verweist auf Eigenleistung

Die Benediktiner wollten an der Schule festhalten, erklärt der Cellerar. Als ein Zeichen sollten die 2024 auf eigene Kosten generalsanierten Außensportanlagen gesehen werden.

Der Orden sei sich bewusst, dass Landkreis und Erzdiözese auf ihre Haushalte schauen müssten, räumt Pater Johannes ein. Das gelte aber auch für das Kloster.

Was die Kosten treibt

Da mehr als 95 Prozent der Schülerschaft aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen stammten, habe man sich an diesen gewandt, um Finanzhilfe zu erbitten. Selbst wenn nur ein gewisser Prozentsatz des Gastschulbeitrags als Förderung zur Verfügung gestellt würde, wäre dies eine Leistung, die letztlich dem Landkreis zugute käme.

Hauptkostenfaktor sind nach Angaben des Ordens die Personalkosten. In den vergangenen Jahren sei der Anteil der als Lehrer ausgebildeten Benediktiner deutlich zurückgegangen.

Kaum noch Benediktiner als Lehrer

Derzeit könnten Mitbrüder nur noch gut drei der 30 Lehrkräfte stellen, von denen zwei in Teilzeit arbeiteten, so der Cellerar. Früher seien es bis zu acht Ordensleute gewesen.

Dazu kämen allgemeine Kostensteigerungen bei Energie oder Instandhaltung. Auch Angestellte wie Sekretärinnen, Hausmeister oder Reinigungskräfte müssten bezahlt werden.

Orden: Wir zahlen doppelt

Mittel, die die Benediktiner zuschössen, kämen in erster Linie aus der Ettaler Klosterbetriebe GmbH, so der Cellerar. Dabei handele sich um Mieten für die Überlassung von Gebäuden und Räumen. Es sei aber kein Geheimnis, dass die Betriebszweige Brauerei und Spirituosen, die dem Orden früher gute Einnahmen brachten, derzeit branchen- und bundesweit schwächelten.

Weiter gibt Pater Johannes zu bedenken, dass die Gewinne aus den Gewerbebetrieben schon versteuert seien. Das Kloster leiste letztlich einen doppelten Beitrag: Es zahle über seine Betriebe, zu dem auch ein Hotel gehört, Steuern und stelle einen Großteil des versteuerten Gewinns wieder der Allgemeinheit für Schule und Denkmalschutz zur Verfügung. Es dürfe nicht vergessen werden, dass Kloster Ettal ein internationales Baudenkmal sei, das jährlich hohe Mittel für seinen Erhalt benötige.

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