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Die Entscheidung des Domkapitels sorgt für Aufregung, auch in der Domstadt selbst. Ob das Priestergremium daraus lernt, stellt Klaus Nelißen infrage.
Jetzt also doch. Der Kölner Dom wird Eintritt kosten. Das Domkapitel hat entschieden. Was wird es kosten? Zehn Euro, zwölf oder gar 15? Und: Wen hatte das Kapitel vorher um Rat gefragt? Den Zentral-Dombau-Verein offenbar nicht, wie aus einem Interview mit der Präsidentin klar wurde. Das Kirchenvolk wurde auch nicht gefragt. Die „Vox Populi“ zur Entscheidung des Domkapitels macht sich gerade breit in zahlreichen Köln-Foren im Netz: Die Kölner Volksseele kocht.
Ob die Entscheidung wichtig ist für den weiteren Erhalt des Doms, weiß das Domkapitel. Populär ist diese Entscheidung jedenfalls nicht. Und einmal mehr trifft sie das Klischee des „Gatekeepers“, der entscheidet, wer reinkommt und wer nicht. So wie Kirche es Jahrhunderte lang tat – auch an der Himmelspforte.
Ein kleiner Kreis von Priestern entscheidet
Der Autor
Klaus Nelißen ist stellvertretender Rundfunkbeauftragter der NRW-Diözesen beim WDR. Der Pastoralreferent des Bistums Münster volontierte bei der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) und studierte Theologie in Münster und Berkeley, Kalifornien.
Gerade die Eigenmächtigkeit der Entscheidung erzürnt viele Kölner, die „ihren Dom“ lieben. Wem gehört der Dom? „Der Kölner Dom gehört sich selbst.“ Und das Domkapitel, also ein kleiner Kreis von Priestern, entscheidet über die Geschicke.
Aber wenn nun gehörige Geldströme generiert werden – stellt sich damit nicht dieses System in Frage? „No taxation without representation“ – keine Geldabgabe ohne Mitsprache, war die Forderung der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung. „Wer die Musik bezahlt, der bestimmt, was sie spielt.“ Sprich: Wenn schon Einnahmen von den Besuchern und Besucherinnen generiert werden, dann auch darauf eingehen, was diese von dem Gotteshaus wünschen. Eine Popularisierung der wichtigsten Kirche Deutschlands müsste eigentlich Konsequenz sein – zumal, wenn man auf andere Kirchen mit Eintrittsgeldern schaut, zum Beispiel den Mailänder Dom.
Kölner Dom: Mitbestimmung erwünscht?
Als jemand, der zweimal eine populäre Aktion im Kölner Dom mit initiiert hat (die Installation silentMOD 2016 zog über 50.000 Besuchende an, das Corona-„Lockdownkonzert“ von Michael Patrick Kelly wurde über 5 Millionen Mal gestreamt), weiß ich, wie groß die Aversionen im Kölner Domkapitel vor zu viel Volksnähe sind. Als wäre zu viel Niedrigschwelligkeit eines spirituellen Angebots ein Makel!
Das populäre Advents-Mitspielkonzert mit den Höhnern? Gestrichen. Der Gottesdienst zum Saison-Auftakt für den FC? Ein Dorn. Anders als das Münsteraner Domkapitel, das unter anderem mit „Luminiscence“ bewies, dass es Menschen jenseits der klassischen Zielgruppen für den Dom begeistern konnte, ist das Kölner Domkapitel auch inhaltlich-pastoral oft rigoroser Gatekeeper.
Beides gleichzeitig geht aber nicht: Geld vom Kirchenvolk verlangen und keine Mitsprache bei der Gestaltung des Doms gewähren.
Wege der Mitbestimmung zu finden, wäre ein Schritt, die Kölner Volksseele zu beruhigen. Jedoch ahne ich, dass so ein Schritt ein frommer Wunsch bleiben wird.
In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.