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Touristen sollen künftig Eintritt für die Kölner Kathedrale zahlen. Nun meldet sich die Chefin eines Vereins, der den Dom finanziell unterstützt.
Die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner befürchtet, durch das geplante Eintrittsgeld könnte der Dom künftig nur noch etwas für einen begrenzten Kreis an Besuchern sein. "Ich fände es ganz schwierig, wenn der Dom nur noch von Wohlhabenden besucht werden könnte", sagte Schock-Werner im Deutschlandfunk.
Wenn die Höhe des geplanten Eintrittsgeldes bei 10 Euro oder darüber liege, sei das zu viel. "Es würde sicher Leute abschrecken." Schock-Werner war von 1999 bis 2012 Dombaumeisterin. Seit 2024 steht sie als Präsidentin an der Spitze des Zentral-Dombau-Vereins, der über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Patenschaften und Vermächtnisse zur Instandhaltung der Kathedrale beiträgt.
Schock-Werner: Dom auch "missionarisches Angebot"
Kirchen sollten nichtkommerzielle Räume sein, in denen jeder Mensch willkommen sei - ob zum Gebet oder für eine Besichtigung. Man dürfe nicht vergessen, dass der Dom auch ein "missionarisches Angebot der Kirche" sei, um zu zeigen, dass solche Räume zu Ehren Gottes geschaffen worden seien.
Ein Eintrittsgeld mache den Dom eher zu einem Museum. Zugleich sehe sie, dass das Domkapitel Geld brauche, um den Betrieb des Kölner Wahrzeichens aufrechtzuerhalten, sagte Schock-Werner. "Es ist alles teurer geworden." Das gelte auch für den Betrieb des Doms.
Die Eintrittsgeld-Pläne
Bereits Anfang März hatte Schock-Werner den geplanten Dom-Eintritt kritisiert: "Was ich höre, sind Beträge um die 12 bis 15 Euro. Das fände ich nun unfair gegenüber den Kölnerinnen und Kölnern sowie den Menschen aus der Region", sagte sie dem "Kölner Stadt-Anzeiger".
Zuvor hatte Dompropst Guido Assmann mitgeteilt, der Dom erhebe ab der zweiten Jahreshälfte eine Zugangsgebühr für Touristen. Wer zu Gottesdienst oder Gebet in die Kathedrale kommt, soll das weiter kostenfrei tun können. Dafür wird es laut Assmann gesonderte Bereiche geben.
Eintrittsgelder für andere Kirchen
Den Kölner Dom besuchen jedes Jahr mehr als sechs Millionen Menschen. Seit 2019 ist war der Etat immer wieder in den "roten Zahlen". Allein der Erhalt des Bauwerks kostet 23.200 Euro pro Tag.
In Deutschland sind die meisten Kirchen frei zugänglich. Eine Ausnahme bildet zum Beispiel der evangelische Berliner Dom, der regulär 15 Euro Eintritt kostet. Im Ausland sind Zugangsgelder für Kirchen üblicher. So verlangt die Sagrada Família in Barcelona 26 Euro, der Stephansdom in Wien 29 Euro.