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Der Erhalt der Kölner Kathedrale kostet viel Geld. Joachim Frank hat eine Idee, wie sich das Eintrittsgeld vermeiden ließe.
Im Kölner Zentrum gebe es, behaupten böse Zungen, zwei große Bahnhöfe. Den Hauptbahnhof und gleich nebenan den Bau, den in Spitzenzeiten mehr als 40.000 Menschen täglich besuchen. Bekannt ist er als Kölner Dom. Nur etwa ein Prozent, sagt Dompropst Guido Assmann, kommen zu den Gottesdiensten. Die anderen? Gäste aus aller Welt, aber auch Menschen aus Stadt und Region, für die der Dom ein Stück Heimat und ein Ort zum Innehalten ist. So mancher klagt, der ganze Trubel mache aus der Kathedrale eine Bahnhofshalle.
Eine „touristische Besichtigungsgebühr“ soll bald zu mehr Ruhe führen – ein erwünschter Nebeneffekt des Eintrittsgelds, mit dessen Ankündigung das Domkapitel Aufsehen erregt hat.
Immer größere Finanzierungslücke
Der Autor
Joachim Frank ist DuMont-Chefkorrespondent und Mitglied der Chefredaktion des „Kölner Stadt-Anzeigers“, Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten (GKP) sowie Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Frank ist unter anderem Träger des „Stern-Preises“ und des „Wächterpreises“ 2023.
Als Hauptgrund für den in der katholischen Kirche Deutschlands einmaligen Schritt geben die Verantwortlichen Geldnot an. In einer der (immer noch) reichsten Diözesen der Welt klingt das seltsam, für viele gar skandalös. Das Erzbistum schießt für Erhalt und Betrieb der Kathedrale 2,74 Millionen Euro zu. Mehr werden es nicht. Der Löwenanteil der Kosten für den Bauerhalt (vier Millionen Euro oder 60 Prozent) kommt vom Zentral-Dombau-Verein (ZDV), einer Bürgerinitiative aus der Zeit des Weiterbaus der unvollendeten gotischen Kathedrale im 19. Jahrhundert.
Zwischen Einnahmen und Ausgaben klafft eine immer größere Lücke. Steigende Personal- und Materialkosten schlagen ins Kontor. Nun soll das Eintrittsgeld die Kassen füllen. Wer in der Kirche beten oder auch nur eine Kerze anzünden möchte, soll das in einem abgegrenzten Areal aber auch künftig gratis dürfen, beteuert Assmann. Und für ZDV-Mitglieder ist der Mitgliedsausweis die Jahreskarte für den ganzen Dom.
Sakralraum oder Kulturtempel?
Damit das Unesco-Weltkulturerbe in Schuss bleibt, erscheint es als plausibel, der Touristin aus Japan und dem Flusskreuzfahrt-Passagier aus dem Mittleren Westen der USA Geld abzuverlangen. Nur könnte der ideelle Verlust am Ende größer sein als der materielle Gewinn. Eine Kirche, die kostet, verliert ein Stück ihrer Wesensbestimmung: Freiraum zu sein für die Urerfahrung einer höheren, „transzendenten“ Wirklichkeit. Ganz bestimmt ist es das, was ein Großteil der Besucher im Dom sucht oder aus ihm mitnimmt. Wer dafür künftig bezahlen muss, wird den Sakralraum eher als Kulturtempel, als Museum mit Gebetsecke erleben.
Wer davor warnt, darf es aber nicht beim Jammern und Zetern belassen. Zwei Lösungen sind denkbar, um den Geschenkcharakter (Dompropst Guido Assmann) des freien Zugangs zu erhalten: eine „unsichtbare“ Dom-Abgabe, etwa über eine moderat erhöhte Übernachtungssteuer, und eine Selbstverpflichtung derjenigen, die sich als wahre Freundinnen und Freunde des Doms sehen. Etwas weniger als vier Millionen Menschen leben im Großraum Köln. Wenn ein Prozent von ihnen 100 Euro im Jahr an den Dom gibt, hat sich das Eintrittsgeld für alle erledigt.
In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.