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Heiligabend für einsame, alleinstehende und obdachlose Menschen

Können offene Weihnachtsfeiern unter Corona-Bestimmungen stattfinden?

  • In einigen Pfarreien hat die Offene Weihnachtsfeier eine lange Tradition.
  • Seelsorger aus Recklinghausen, Duisburg und Marl berichten von ihren Erfahrungen.
  • Wie Gemeinschaft und Einsamkeit an Heiligabend zusammenhängen.

Auch wenn alles unter den Beschränkungen und Hygiene- und Abstandsregelungen angesichts der Corona-Pandemie steht oder fällt: Die traditionellen Feiern zu Heiligabend von Pfarreien für einsame, alleinstehende und obdachlose Menschen soll es auch in diesem Jahr geben. Das „Wie“ wird wohl letztlich erst im Dezember zu klären sein.

„Aufgrund der räumlichen Bedingungen können wir nicht den Offenen Heiligen Abend vergangener Jahre ermöglichen. Wir werden alle einladen, die keine Wohnung haben, das heißt in Recklinghausen auf der Straße ihr Zuhause haben“, sagt Pfarrer Ludger Ernsting von der Gastkirche in Recklinghausen im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“.

Schüler packen Weihnachtspakete

Ernsting hofft, dass es möglich sein wird, mit den obdachlosen Menschen gemeinsam zu essen und einen Weihnachtsgottesdienst zu feiern „mit der einmaligen Geburtsgeschichte“. Für die anderen Menschen in prekärer Lebenssituation wird das Gasthaus zusammen mit Schülerinnen und Schülern Weihnachtspakete zusammenstellen. „Diese werden wir an den Weihnachtstagen - auch mit dem Inhalt der weihnachtlichen Geburtsgeschichte – ausgeben“, sagt der Seelsorger.

Traditionell haben Gastkirche und Gasthaus in Recklinghausens Innenstadt an Heiligabend die Türen geöffnet. Zusammen mit den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern wurde bei Kaffee und Kuchen viel gesungen und der Weihnachtsbaum gestaltet. Nach dem Gottesdienst wurde festlich zu Abend gegessen.

So schön kann ein Fest sein

„Danach war Bescherung angesagt. Das Gasthaus platzt jedes Weihnachten aus allen Nähten. Bis zu 130 Menschen kamen, auch der Bürgermeister mit seiner Frau und Weihbischof Dieter Geerlings aus Münster waren dazwischen“, erklärt Ernsting die Feiern vergangener Jahre. Ehrenamtlich Engagierte waren jeweils mit an den Tischen, einige begleiteten musikalisch den Gesang, andere waren im Küchenbereich engagiert. „Es war ein Fest wie Feste nicht schöner sein können“, sagt Ernsting.

Diese Art der gemeinschaftlichen Feiern sei für Menschen ohne Bleibe besonders wichtig, meint der Seelsorger. „Weihnachten ist das Fest der Menschen, deren Leben sich in mehrfacher Bedeutung sozusagen draußen abspielt. Gott wird Mensch, und zwar draußen bei den nicht so angesehenen Hirten, unter freiem Himmel, in ärmlichen Verhältnissen.“

Botschaft für die Menschen am Rand

Weihnachten sei schließlich die Botschaft für Menschen am Rand der Gesellschaft, meint Ernsting und erklärt seine Aussage so: „Da gibt es einen Gott, der hat für seine Menschwerdung eine Art und Weise erlebt, vielleicht gesucht, die ihrer Lebenssituation ganz nahe ist. Und diese Nähe Gottes, auch gerade in dieser Parteilichkeit, lädt ein, das miteinander zu feiern. Übrigens braucht man an Heilig Abend im Kreis der Freundinnen und Freunde von der Straße nicht groß predigen: Die Botschaft spricht für sich.“

In der Pfarrei St. Franziskus in Duisburg-Homberg soll ebenfalls eine „Offene Weihnacht“ begangen werden, wie Diakon Stefan Ricken sagt: „Momentan überlegen wir, wie wir unter den aktuellen Corona-Bedingungen eine ansprechende und angemessene Feier durchführen können. Aufgrund der jetzigen Vorgaben ist in den örtlichen Pfarrheimen eine Feier wie in den vergangenen Jahren nicht möglich.“

Miteinander Erinnerungen teilen

In den vergangenen Jahren hätten sich Menschen melden können, die am Heiligen Abend gern in Gemeinschaft sein wollten. „Bis zu 50 Menschen waren dabei. Bei einem gemeinsamen Essen, beim Lieder singen, plaudern und Kaffee trinken konnte man den Heiligen Abend gemeinsam mit anderen verbringen. Im Anschluss an diese Feier waren alle zum Gottesdienst in die benachbarte Pfarrkirche St. Johannes eingeladen“, erklärt Ricken die Tradition in Homberg.

Wie der Diakon sagt, erlebten gerade an Weihnachten viele Menschen Einsamkeit und Isolation in besonderer Weise: „Erinnerungen an vergangene Zeiten, an familiäres Leben, an die vielleicht verstorbene Partnerin oder den Partner lassen diesen Tag zu einem emotionalen Tag werden.“ In Gemeinschaft gebe es die Möglichkeit, miteinander Erinnerungen zu teilen, Einsamkeit zu überwinden, gemeinsam den Tag sinnvoll zu begehen“, sagt Ricken.

Ein Gotteshaus öffnet seine Türen

Auch die Pfarreien in Marl überlegen, wie eine Feier gestaltet werden kann. „Wir haben einen Raum für die Feier an Heiligabend gefunden, und sogar einen sehr schönen, nämlich unsere Herz-Jesu-Kirche“, sagt Pastoralreferent Wilhelm Heek von der Marler Pfarrei St. Franziskus. Der Sekretär vom Limburger Bischof Georg Bätzing habe ihn auf diese Idee gebracht. „Der Bischof sagte, dass Limburg den Dom mittlerweile für alle möglichen Veranstaltungen nutze, bei denen ein großer Raum benötigt würde. Was liegt also näher, als eine unserer Kirchen für eine Offene Weihnacht zu räumen“, sagt Heek.

Das Seelsorgeteam habe die Idee auch gut gefunden: „Es gibt viele gute Gründe, dass es diese Kirche wird: ihre zentrale Lage, so dass Gäste auch nach der Veranstaltung mit öffentlichem Nahverkehr nach Hause fahren können, eine direkte Anbindung an das Pfarrheim mit Küche und Sanitäranlagen und die Barrierefreiheit.“ Eine Auslagerung der Kirchenbänke sei möglich. Am Kirchstandort Herz Jesu gebe es schon zwei Mal wöchentlich ein Frühstücksangebot für bedürftige Menschen.

Absprachen mit dem Ordnungsamt

„Nach dem jetzigen Stand werden wir die Zahl der Teilnehmer auf hundert begrenzen müssen. Außerdem wird eine Anmeldung nötig werden. Ich hoffe, das OK vom Ordnungsamt zu bekommen“, sagt Heek zum jetzigen Stand der Dinge.

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