Markus Nolte zum Amtsantritt des neuen US-Präsidenten und Versäumnisse der Kirche

Kommentar: Das Evangelium nach Trump

„So help me God!“ Ob Donald Trump seinen Amtseid so abschließt, steht ihm frei. Um Amerika „wieder groß“ zu machen, braucht er keinen göttlichen Beistand. Trump kennt nur eins: Erfolg. Seinen Erfolg. Diese Politik ist gefährlich. Doch die Bischöfe schweigen dazu.

Nein, ein religiöser Präsident wird Donald Trump nicht sein. Selbst wenn er – was er nicht tat – in typisch-amerikanischer Manier jede Rede auch nur floskelhaft mit „Gott segne euch!“ beendet hätte: Es wäre bestenfalls ein geborgter Slogan, mit dem er Stimmen hätte fangen können. Doch selbst das tat er nicht. Er hat das nicht nötig, es passt nicht in sein Credo: „Make America great again – Amerika wieder groß machen!“ Doch dafür brauchen die USA nicht Gott. Sie brauchen Trump. Davon ist der künftige Präsident überzeugt.

„Halte dich nicht an Defiziten auf“

Es deutet einiges darauf hin, dass diese Grundhaltung Trumps auf die so genannte „Erfolgs-Theologie“ zurückgeht. Einer entsprechenden Gemeinde von Reverend Norman Vincent Peale gehörten zumindest seine Eltern an. Peales Credo: „Denk positiv! Kümmere dich um dich selbst. Halte dich nicht an Defiziten auf. Besinne dich deiner Möglichkeiten und lege noch zehn Prozent drauf.“ Scheitern, Schuld, Schwäche – das alles kommt in dieser „Religion“ nicht vor.

Nächstenliebe und Respekt offenkundig auch nicht. Was Trump nicht passt, wer ihn kritisiert – da wird kraftvoll zurückgeschlagen, auch mit Mitteln, die mit Fakten nichts zu tun haben.

Die Opfer seines Erfolgs

Es gibt keinen Grund anzunehmen, mit seinem Amtsantritt würde sich daran etwas ändern. Das haben die Tage zuvor mit Trumps teils wirren, teils verantwortungslosen Äußerungen über die Nato, die EU, Deutschland und die Kanzlerin gezeigt. Und sie haben gezeigt: Er, und nur er, weiß, wo es lang zu gehen hat. Sein Evangelium: Erfolg. Sein Erfolg. Dessen Opfer spielen in Trumps Glaube keine Rolle. Fatal, dass viele von ihnen ihm seine Stimme gaben.

Nicht minder fatal allerdings ist die Zurückhaltung der katholischen Kirche in den USA. Da bewertete man einen Kandidaten vor allem an seiner Haltung zum Lebensschutz und zur „Homo-Ehe“, gab sich etwas schockiert über Trumps sexistische Prollgeschichten, fand aber schon kaum mehr ein Wort über dessen mittlerweile dritte Ehe. Dass der neue Präsident aber mit Unwahrheit, Verleumdung und Provokation seine persönlichen Ziele erreichen will – das untergräbt massiv die Glaubwürdigkeit und Autorität von Politik. Nicht nur in den USA. Das nicht klar benannt zu haben, müssen sich die Bischöfe dort vorwerfen lassen.