Jens Joest über den Anti-Doping-Kampf bei Olympia

Kommentar: Der Ausschluss Russlands setzt Maßstäbe

Das Internationale Paralympische Komitee hat mit dem Ausschluss der russischen Sportler von den Paralympischen Spielen gezeigt, wie man Zeichen setzt gegen Doping. Eine Maßnahme, für die die "Schwesterorganisation", das Internationale Olympische Komitee, zu feige war, meint Kirche+Leben-Redakteur Jens Joest.

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hat mit dem Komplett-Ausschluss der russischen Sportler mit Behinderung von den Paralympischen Spielen im September gezeigt, wie man Zeichen setzt gegen Doping. Es setzt, nein: Es hält sich an jene Maßstäbe, denen die "Schwesterorganisation", das Internationale Olympische Komitee (IOC), nicht folgen wollte. Denn es war zu feige, genauso zu entscheiden.

Wenn unabhängige Untersuchungsberichte beweisen, dass es staatlich organisiertes Doping in Russland gab, und dass daran sogar das Olympia-Komitee für behinderte Sportler beteiligt war, dann ist der Ausschluss zwingend. So bedauerlich er für nicht gedopte russische Sportler ist, deren Olympia-Traum zerplatzt.

Schuld der Staats- und Sportführung

Daran ist aber nicht das IPC Schuld. Auch das IOC wäre nicht Schuld gewesen, hätte es ähnlich entschieden. Schuld ist eine Staats- und Sportführung, die meint, Sportler – und sogar Menschen mit Behinderung, die ohnehin schon vielfach Medikamente nehmen müssen – dopen zu müssen. Und das für ein paar Medaillen und nationales Prestige.

Zwar wird Russland gegen den Komplett-Ausschluss vorgehen. Doch selbst wenn Moskau vor Gericht siegt, ist es ehrenwert, wie das IPC versucht hat, Reste des fairen Sports zu retten. Das IOC dagegen hat seine Verantwortung delegiert und Einzelverbänden die Entscheidung – und das Dilemma – überlassen.

Um fairen Sport geht es dem IOC offenbar längst nicht mehr. Es hat den öffentlichen Wirbel gescheut, gegenüber der Sportmacht Russland beim Welt-Medienereignis Olympia "reinen Tisch" zu machen. Denn wer weiß, wie Sponsoren reagiert hätten?