Christof Haverkamp zur Frühjahrs-Vollversammlung der Bischöfe

Kommentar: Die eigentlichen Themen der Bischofskonferenz

Drei Themen stehen offiziell auf der Tagesordnung, wenn sich die Deutsche Bischofskonferenz zu ihrer Frühjahrsvollversammlung trifft. Doch die Bischöfe werden auch über drei weitere Themen sprechen, meint unser Chefredakteur Christof Haverkamp.

Drei Themen stehen offiziell auf der Tagesordnung, wenn sich die Deutsche Bischofskonferenz Mitte Februar zu ihrer Frühjahrsvollversammlung in Ingolstadt trifft: die Flüchtlingsarbeit, die Notfallseelsorge und der Dialog mit den Christen in Mittel- und Osteuropa. Tatsächlich dürften die Bischöfe über weitere Fragen ebenso intensiv sprechen – so über Finanzlücken, mit denen sich derzeit mehrere Bistümer plagen. Und über die Segnung homosexueller Paare und den Umgang mit der Schwangerenberatung des Vereins Donum Vitae.

Einheit der Bischöfe darf kein Selbstzweck sein

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sieht in Einzelfällen Spielraum bei der Segnung schwuler und lesbischer Paare, der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat eine offene Diskussion dazu gefordert. Der eine ist immerhin der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der andere sein Stellvertreter. Ihre Vorstöße für eine vorsichtige Öffnung haben sie begründet mit der Lebenswirklichkeit und neuen Forschungsergebnissen.

Der Kirchenhistoriker Arnold Angenendt hat es in seinem Buch über Ehe, Liebe und Sexualität im Christentum auf den Punkt gebracht: „Das eigentlich theologische Problem besteht darin, wie eine neutestamentliche Aussage von unbezweifelbarer Grundsätzlichkeit angesichts heutiger medizinischer und human-wissenschaftlicher Erkenntnisse auszulegen ist.“ Anders gesagt: Wie zeitbedingt sind die Beurteilungen des heiligen Paulus zur Natur des Menschen?

Nicht einfach ausklammern

Die Haltung von Marx und Bode, die ja vom „Katechismus der katholischen Kirche„ abweicht, wird nicht jedem Mitbruder gefallen. Doch wäre es besser, das viel diskutierte Thema einfach auszuklammern? Nein. Mit dieser ängstlichen Haltung wäre niemandem gedient. Dann ist es ehrlicher, mit theologischen Argumenten offen zu widersprechen.

Gleiches gilt für den Umgang der Bischöfe mit Beraterinnen von Donum Vitae, die zur Caritas wechseln wollen. Die wertschätzende Haltung von Marx wird von der Mehrheit der Laien begrüßt, von einer Minderheit aber vehement abgelehnt. Auch unter den deutschen Bischöfen gibt es hier offenbar keine klare Linie. Das muss aber nicht schlimm sein. Die Einheit ist zwar ein hohes Gut. Aber sie darf aber auch kein Selbstzweck sein oder gar Diskussionen unterdrücken.