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Die Enzyklika „Magnifica humanitas“ löst die hohen Erwartungen ein. Sie stellt ein Manifest gegen die drohende Technokratie dar, sagt Louis Berger.
An deutlichen Worten gegenüber US-Präsident Donald Trump hat es Papst Leo XIV. zuletzt nicht mangeln lassen. Mit seiner KI-Enzyklika „Magnifica humanitas“ („Die großartige Menschheit“) nimmt er jetzt auch die Techkonzerne des Silicon Valley ins Visier, die zu engen ideologischen wie ökonomischen Verbündeten der US-amerikanischen Regierung geworden sind. Ihrem Traum vom digitalen Übermenschen setzt Leo XIV. die unverfügbare, gottgegebene Würde des Menschen entgegen. Das ist nicht nur bemerkenswert, sondern in einer Zeit technologischer Euphorie geradezu mutig.
Denn längst haben sich viele mit jener „Durchsetzung eines technokratischen Paradigmas“ arrangiert, vor der schon Papst Franziskus gewarnt hatte. Wer heute auf eine Regulierung von KI pocht, wird schnell als Fortschrittsverweigerer abgestempelt. Der libertäre US-Investor Peter Thiel verunglimpfte solche Forderungen sogar als Werk des Antichristen. Schließlich verspreche die Technologie Effizienz, Komfort und grenzenlose Freiheit.
Dabei verdrängen die selbsternannten KI-Propheten nur allzu gerne, dass der Mensch längst Gefahr läuft, zum bloßen Anhängsel seiner eigenen Maschinen zu werden. Nicht nur dem Globalen Süden droht ein neuer KI-Kolonialismus, der den Menschen zum „Rädchen in einem System erniedrigt, das immer effizienter werden muss“. Leo XIV. greift deshalb treffend auf das Bild des Turmbaus zu Babel zurück: Technologischer Fortschritt ohne „angemessene ethische und soziale Reifung“ führt nicht zur Befreiung des Menschen, sondern zu seiner Entmündigung.
Papst schont die Kirche nicht
Die eigentliche Stärke der Enzyklika liegt jedoch darin, dass sie nicht in Kulturpessimismus verfällt. Leo XIV. erinnert daran, dass Gesellschaften sehr wohl fähig sind, „Institutionen zum Schutz des gemeinsamen Lebens“ zu schaffen. Neben einer gerechten politischen Ordnung und einer klaren Absage an „entgrenzte Gewalt“ – etwa beim Einsatz KI-gestützter Waffensysteme – komme es vor allem auf die „Summe kleiner und beharrlicher Taten“ gegen die Entmenschlichung an.
Bemerkenswert ist zudem, dass der Papst die eigene Kirche ausdrücklich nicht schont. Wer glaubwürdig von Menschenwürde sprechen wolle, dürfe zu „geistlichem, wirtschaftlichem, institutionellem oder sexuellem Missbrauch“ ebenso wenig schweigen wie zu Machtmissbrauch und Gewissensmanipulation. Gerade darin unterscheidet sich diese Enzyklika wohltuend von moralischer Selbstinszenierung: Sie misst auch die Kirche an den Maßstäben, die sie der Welt predigt.
Dass „Magnifica humanitas“ schließlich mit dem „Magnificat“ endet, ist daher alles andere als bloße Frömmigkeitsrhetorik. Marias Lobgesang erscheint hier als das, was er tatsächlich ist: ein revolutionärer Text. „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.“ Gott hört den Schrei der Armen und der Erde – er wird ihnen dabei helfen, ihre Würde auch gegen die Zumutungen der Techkonzerne verteidigen. Papst Leos Enzyklika ruft diese Verheißung eindrucksvoll in Erinnerung.