Chefredakteur Christof Haverkamp zieht Bilanz

Kommentar: Hat sich das Weltfriedenstreffen gelohnt?

Das Weltfriedenstreffen der Gemeinschaft Sant'Egidio in Münster und Osnabrück ist zu Ende. Was hat es gebracht? Wie waren die gastgebenden Städte und Bistümer beteiligt? Und wie nachhaltig kann das Treffen wirken?

Hat sich das Weltfriedenstreffen von Sant'Egidio gelohnt? Nüchtern betrachtet, war es vorwiegend eine Zusammenkunft von Offiziellen, Funktionsträgern und Angehörigen der Gemeinschaft, geprägt von langen Festreden, Vorträgen und Gottesdiensten. Allenfalls am Rande beteiligten sich daran auch katholische Christen aus den gastgebenden Bistümern Münster und Osnabrück.

Die Rolle der beiden Diözesen lag wohl in erster Linie in einer umfassenden Hilfe der italienisch dominierten und teilweise chaotisch organisierten Laiengemeinschaft bei der Vorbereitung – und vor allem in der Finanzierung dieser Großveranstaltung. Sant'Egidio sollte daher sehr froh sein über das deutsche Kirchensteuersystem. Dadurch verfügen die Bistümer über die Mittel, so ein aufwändiges Treffen in dieser Form erst zu ermöglichen.

Sant'Egidio ist in der Welt gut vernetzt

Immerhin ist es gelungen, in den Städten des Westfälischen Friedens führende Vertreter der orthodoxen, evangelischen und katholischen Christenheit, Muslime, Buddhisten, Juden und Angehörige weiterer Religionen zusammenzubringen. Das ist die Stärke von Sant'Egidio: In der ganzen Welt gut vernetzt zu sein.

So reiste zur Eröffnung nicht allein Bundeskanzlerin Angela Merkel an – mit dabei waren unter anderem so unterschiedliche Politiker wie die Präsidenten des Staates Niger und des Europäischen Parlaments, Religionsführer wie der Imam der Al-Azhar-Universität in Kairo oder Wirtschaftsexperten wie der amerikanische Ökonom Jeffrey Sachs.

Gespräch kann wichtiger Schritt sein

Was sie dann in ihren Ansprachen und Vorträgen äußerten, war weder völlig überraschend noch irgendwie neuartig. Auch ist fraglich, wie sehr die Persönlichkeiten, die an der Großveranstaltung teilgenommen haben, tatsächlich für die Basis in ihren Religionen und Ländern sprechen.

Aber wer Menschen guten Willens aus Albanien, Ägypten, Äthiopien und anderswo allein schon zum Gespräch zusammenbringt, der hat bereits wichtige Schritte für eine friedlichere Welt getan. Denn es ist fast immer besser, miteinander zu reden als nur übereinander. Alle ausführlich reden zu lassen, ist für Zuhörer zwar anstrengend, kann aber mitunter zum Frieden beitragen. Das beweisen die positiven Erfahrungen, die Sant'Egidio vor allem in Afrika gemacht hat.