BISCHOFSKONFERENZ

Die unerwartet geistliche Antrittsrede des verschmitzten Bischofs Wilmer

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Der neue DBK-Vorsitzende überrascht mit einer sehr spirituellen Erstrede. Weil er ein kluger Bischof ist, meint Chefredakteur Markus Nolte.

Man musste schon ziemlich genau hinhören, um aus den überraschend geistlich gewählten und wohl gesetzten ersten Worten des neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz auch politisch Programmatisches herauszuhören. Heiner Wilmer wollte offenkundig nichts falsch machen, als er wenige Minuten nach seiner Wahl in Würzburg vor die versammelten Medienmenschen trat und ein offenbar vorbereitetes Manuskript von seinem Smartphone ablas.

„Nichts falsch machen“ – um nicht jene Mitbrüder zu enttäuschen, die ihn gewählt haben. Unter diesen waren, wie man hört, gerade jene, die weniger Struktur und mehr Evangelium für dringend nötig halten, mehr Glaube und weniger Gesellschaftspolitik. Kurzum: mehr Christus, weniger Bätzing.

Wilmers Chili-Schnipsel

Da hat Wilmer geliefert, ab Satz eins seines Statements, dem Evangelium von der Geburt des Herrn entnommen: „Ehre sei Gott und Friede den Menschen.“ Um beides solle es ihm gehen. – Wer wollte da widersprechen?

Doch es gab sie, diese Sätze, die typischen „Wilmer-Weisheiten“, die er beiläufig wie kleine Chili-Schnipsel in eine zweifellos an Geist reiche, aber auch erstaunlich basal gehaltene Rede fallen ließ. Einer davon: „Der Heilige Geist liegt nicht nur im Konsens, sondern auch im Widerspruch.“ Das ist deutlich etwas anderes als der Einheitsbrei, den der Kölner Kardinal vier Stunden zuvor in der Morgenmesse seinen Mitbrüdern als Synodalität verkaufen wollte.

„Synodal“ in „Frommsprech“

Natürlich ist klar, wofür Wilmer steht: Den Zölibat schätzt er als Ordensmann, aber ob er für alle Weltpriester verpflichtend sein muss – darüber kann man reden. Dasselbe gilt für die Weihe von Frauen – da verweist er dankbar (und erleichtert) auf die Weltsynode. Ähnlich klare Offenheit kennt man von ihm zu Fragen der Sexualmoral und des Umgangs mit Macht in der Kirche.

Wilmer war also, so unbehend der Emsländer mit dem rollenden R zunächst wirkte, klug genug, den Grund des Glaubens, der Kirche, seines eigenen Weges in den Mittelpunkt zu stellen. Mittendrin wieder so eine Wilmer-Weisheit: „Mit dem Evangelium in der Hand und die Menschen im Blick“ sei er als Pilger auf dem Weg. Klingt nach „synodal“ in „Frommsprech“.

„Steife Brise im Haar“

Der neue Vorsitzende hat so verschmitzt das gesagt, was manche Bätzing-Kritiker von ihm hören wollten, was aber für den neuen wie auch den alten Vorsitzenden implizit selbstverständlich ist.

Wilmer macht Mut, setzt auf die Gläubigen, von denen er in Würzburg sagte, sie seien „gut drauf“. Der Norddeutsche weiß aber auch um die „steife Brise im Haar“. Er weiß, dass er als Vorsitzender künftig deutlicher Klartext reden muss. Geistvoll, wie er ist.

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