Chefredakteur Christof Haverkamp zur Bundestagswahl

Kommentar: Je kleiner die Parteien, desto größer die Kirchenferne

Wenn morgen der neue Bundestag gewählt wird, stellt sich die Frage, was der Ausgang der Wahl für die Kirchen bedeutet. Christof Haverkamp, Chefredakteur von „Kirche-und-Leben.de“, über die zweifelhafte Nähe mancher Parteien zum Christentum.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass nach der diesjährigen Bundestagswahl das gute Verhältnis des Staates zu den Kirchen erhalten bleibt. Die derzeitigen Koalitionspartner CDU und SPD wissen, was für wertvolle Beiträge die Kirchen für die Gesellschaft leisten, gerade in sozialen Fragen. Und umgekehrt wissen auch die Kirchen, was sie an einer guten Zusammenarbeit mit den Regierungsparteien haben. Daher gibt es eine gegenseitige Anerkennung.

Bei den kleineren Parteien, bei der Linken, den Grünen und der FDP, ist der inhaltliche Abstand aus unterschiedlichen Gründen größer – und am größten ist er zweifellos bei der AfD, die wohl erstmals in den Bundestag einziehen wird. Nationalistische und fremdenfeindliche Töne führender AfD-Politiker und kritische Stellungnahmen katholischer und evangelischer Kirchenvertreter dazu zeigen: Die Kluft ist groß.

AfD-Landeschef Hampel ruft zum Kirchenaustritt auf

Zwar unterstreichen immer noch einzelne AfD-Mitglieder ihre christliche Haltung. Aber dabei stellt sich doch die Frage, welches politische Gewicht sie haben und wie weit ihre Positionen von der Partei als Ganzer tatsächlich getragen werden. Auffällig ist jedenfalls, dass Armin-Paul Hampel, AfD-Landesvorsitzender in Niedersachsen und Mitglied des Bundesvorstands, offen zum Austritt aus den Kirchen aufgerufen hat.

Diese Haltung sollte auch konservativen Gläubigen zu denken geben, gerade jenen, die zum Beispiel gerne auf das Familienprogramm der Partei oder auf die Haltung zum Lebensschutz verweisen, aber übersehen, dass die Flüchtlingspolitik der AfD den Aussagen in der Bibel fundamental widerspricht.

„Ich wähle Menschlichkeit“

Es ist gut, dass Verbände wie das Kolpingwerk und die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung solche Fragen zur Sprache bringen und ebenso die Caritas mit ihrer Aktion „Ich wähle Menschlichkeit“.  Ja, generell ist es zu begrüßen, dass katholische Organisationen mancherorts das politische Interesse auch dadurch angefacht haben, dass sie zu Podiumsdiskussionen mit allen Direktkandidaten eingeladen haben. So tragen sie zur Meinungsbildung bei.

Das ist eine große Stärke der katholischen Verbände. Ohne sie würde nicht nur der Kirche etwas fehlen, sondern auch der Gesellschaft.