KIRCHENWELT

Von „Exzellenz“ bis „Mitbruder“: Kommt der Titel-Klerikalismus zurück?

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Mancherorts sorgen Ämternamen wieder für wirre Wortungetüme. Solche Selbsterhebungen lassen nichts Gutes ahnen, meint Chefredakteur Markus Nolte.

Was wäre die katholische Kirche ohne ihren funkelnden Kosmos wohlklingender Titel! Selbst der Blick ins pickepackevolle Chorgestühl des Paulusdoms bei der feierlichen Einführung von Heiner Wilmer als neuer Bischof von Münster zeigte nur einen Bruchteil der vollständigen Farbenlehre des römischen Universums: Nuntius, Kardinal, Erzbischof, Bischof, Weihbischof, Domkapitular, Dompropst, Domdekan, Domvikar, Dompfarrer, Monsignore, Prälat, Offizial, Dechant, Pfarrer, Pastor, Kaplan, Diakon, Abt, Pater …

Am Ende der Feier dann ging es richtig zur Sache, als sowohl Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) als auch Münsters Oberbürgermeister Tilman Fuchs (Grüne) ihre Grußworte in protokollarischer Perfektion mit „Eminenzen und Exzellenzen“ begann – die zeremoniell korrekte Anrede von Kardinälen und „einfachen“ Bischöfen. Die gilt übrigens nicht nur im kirchlichen Raum – auch in der Welt der Diplomatie ist die Anrede „Exzellenz“ etwa für Botschafterinnen und Botschafter selbstverständlich. Und einen fulminanten Ämterkanon pflegen natürlich auch Politik und Behörden.

Warum „Mit-Brüder“ statt Brüder?

Doch passt das alles deshalb auch für eine Gemeinschaft von Gläubigen, die sich als Schwestern und Brüder versteht (übrigens auch das eine Anrede des NRW-Ministerpräsidenten in seinem Grußwort)? Was heißt es dann aber, wenn sich etwa Geistliche – schon hier beginnt die Eigenwelt – untereinander als „Mitbrüder“ oder „Mitschwester“ bezeichnen? Ist das mehr Bruder oder anders Schwester? Gleich wie: Es hebt sich ab von den anderen.

Damit nicht genug. Die neue Bescheidenheit, die Papst Franziskus in seinem Antiklerikalismusprogramm so manchen Kirchenmännern und ihrer Titelverliebtheit verordnete – sie scheint mit ihm begraben. In einer großen süddeutschen Diözese etwa wurde kürzlich ganz selbstverständlich zum Gottesdienst mit „Dompfarrer Domkapitular Monsignore Dr. XY“ eingeladen.

Und was sagt Bischof Heiner Wilmer?

Wie also passen solche sich selbst genehmigten Erhebungen und Absonderungen zu einer Spiritualität, die gewissermaßen im selben Atemzug von Demut und Bescheidenheit spricht, sowohl die Würde aller Menschen preist als auch die Gemeinschaft aller in der Taufe Geeinten? 

Wie gut tut es da, mit Heiner Wilmer einen Bischof von Münster zu haben, der auf die richtige Anrede angesprochen sagte: „,Exzellenz‘ geht gar nicht, das macht mich völlig kirre.“ Kurzum: „Herr Bischof“ oder „Bischof Heiner“ ist immer richtig.

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